Stammpflanze: Achillea millefolium L. (Gemeine Schafgarbe), Familie der Asteraceae
Andere Namen: Achilleskraut, Bauchwehkraut, Feldgarbenkraut, Garbenkraut, Grundheil, Katzenkraut, Jungfrauenkraut, Schafrippenkraut
Herkunft: Deutschland, Italien, die Balkanländer und Rußland, Nordamerika
Beschreibung und Inhaltsstoffe
Schafgarbenkraut besteht aus den zur Blütenzeit (Mai bis Juni) gesammelten oberirdischen Teilen bzw. Spitzentrieben der ausdauernden, 20-50 cm hoch wachsenden krautigen Pflanze. Die Droge enthält 0,2 bis über 1% ätherisches Öl (Das Deutsche Arzneibuch DAB 10 fordert einen Mindestgehalt von 0,2%), welches je nach Herkunft azulenfrei ist oder bis zu 25% Chamazulen enthalten kann. Chamazulen ist ein blauviolettes Öl, das auch in den Kamillenblüten enthalten ist und entzündungshemmende Eigenschaften hat.Weiterhin enthält Schafgarbenkraut krampflösende Flavonoidfarbstoffe (Flavonglykoside), den Bitterstoff Achillin, Aconitsäure, Kaffeesäure und Salicylsäure, sowie etwa 0,35% Cumarine und 3-4% Tannin-Gerbstoffe. Für die entzündungshemmende Wirkung der Schafgarbe scheint neben den Azulenen ein noch nicht völlig aufgeklärter Eiweißstoff-Kohlenhydrat-Komplex verantwortlich zu sein.
Anwendung
Die therapeutische Verwendung entspricht in etwa derjenigen der Kamille. Sie wird innerlich und äußerlich als Antiphlogistikum (entzündungshemmendes Mittel), Spasmolytikum (krampflösendes Mittel), Stomachikum (appetit- und verdauungsanregendes Mittel), Carminativum und Cholagogum (blähungs- bzw. galletreibendes Mittel) häufig gebraucht. Hauptanwendungsgebiete sind Magen-Darmbeschwerden (Entzündungen, Durchfälle, Blähungen, Krämpfe). Daneben findet die Pflanze Verwendung bei Appetitlosigkeit sowie zur Förderung der Gallensekretion. Die Wirkung dürfte wie bei den Kamillenblüten aus dem Zusammenspiel unterschiedlich aufgebauter Inhaltsstoffe resultieren, die in den beiden Kräutern ähnlich, z.T. sogar identisch sind, wie z.B. Chamazulen, Flavonoide.
Äußerlich erfolgt die Anwendung in Form von Umschlägen, Spülungen und Bädern, meist jedoch in Form von alkoholischen Zubereitungen (Perkolate, Flüssigextrakte) bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen sowie als Wundheilmittel. Wäßrige und ätherische Extrakte wirken nachweislich antibiotisch gegenüber verschiedenen Bakterien. An der antiseptischen und entzündungshemmenden Wirkung dürften auch die sog. Sesquiterpen-lactone maßgeblich beteiligt sein. In der Volksmedizin wird die Schafgarbe vielfach als blutungstillendes Mittel, z.B. bei Hämorrhoidenblutungen sowie bei Menstruationsbeschwerden, Leberleiden und zur Beseitigung von Schweiß (Bäder) verwendet.
Unerwünschte Wirkungen
Bei Bestehen von Allergien gegenüber Korbblütlern können juckende und entzündliche Hautveränderungen mit Bläschenbildung ("Schafgarbendermatitis") auftreten. Die Behandlung ist dann sofort abzubrechen.
Verwendung im Haushalt
Als Küchengewürz wird die frische Pflanze für Salate, Eintöpfe, fette Speisen und Weichkäse
verwendet.
Schafgarbenblüten
Es handelt sich laut Arzneibuch um die getrockneten Blütenstände (Doldenrispen). Der
Geschmack ist leicht bitter und gewürzhaft, die Droge riecht charakteristisch aromatisch.
Inhaltsstoffe (hauptsächlich ätherisches Öl und Gerbstoffe) und Anwendung sind dem
Schafgarbenkraut sehr ähnlich. Die Droge ist im schweizerischen Arzneibuch (Ph.Helv. VII)
beschrieben und wird nach dessen Vorschriften geprüft. Der Gehalt an ätherischem Öl ist bei
der Blütendroge meist höher als im Kraut.
Schafgarben-Flüssigextrakt
Der Schafgarben-Flüssigextrakt wird aus Schafgarbenkraut durch Extraktion mit einem Gemisch aus Wasser/Propylenglycol hergestellt. Der zweiwertige Alkohol Propylenglycol dient dabei auch als mildes Konservierungsmittel. Die entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung der Schafgarbe kann mit dem Flüssigextrakt in selbsthergestellten Kosmetikprodukten wirkungsvoll zum Einsatz gebracht werden (v.a. für die Haut- und Haarpflege, Badepräparate; jedoch Möglichkeit der Allergie bedenken!). Für Arzneizwecke und zum innerlichen Gebrauch darf der Schafgarbenextrakt nicht verwendet werden, da das Präparat für diese Zwecke nicht geprüft und zugelassen wurde.
INCI Deklaration der Inhaltsstoffe: Achillea millefolium/Yarrow Extract, Propylene Glycol
Geschichte
Der lateinische Gattungsname erklärt sich aus der griechischen Mythologie: Als Achill bei der Belagerung von Troja vom vergifteten Pfeil des schönes Paris getroffen und tödlich an der Ferse verwundet wurde, riet ihm die Göttin Aphrodite weinend, die Schafgarbe zu verwenden, um seine Schmerzen zu lindern. Und so heißt noch heute diese gegen Verletzungen mit der blanken Waffe unfehlbare Pflanze im Volksmund Achillenkraut, Venusaugenbrauen- und Jungfernaugenbrauenkraut. Die anderen Bezeichnungen für diese Verwandte der Kamille - wie Saugkraut, Balsamgarbe, Berufkraut und kleines Gliedkraut - unterstreichen den Ruf der Schafgarbe als universell einsetzbares Heilmittel. Es gibt kaum ein Leiden, das nicht mit ihr behandelt wurde. Vielen nordamerikanischen Indianerstämmen ist es deswegen heilig. Es wird sogar als Unterstützung bei der Suche nach Visionen als Tee getrunken. Die Navajo-Indianer rühmen das Kraut darüber hinaus wegen seiner aphrodisischen Eigenschaften. Eine bis zwei Stunden vor dem Beischlaf nehmen sie ein Teegetränk aus ihr zu sich oder kauen die rohen Stengel aus. Im alten China benutzte man die Stengel in der Geomantie, besonders beim I-Ging-Orakel.
Packungsbeilage nach §11 AMG (Angaben der Standardzulassung)