Stammpflanze: Cnicus benedictus L. (Echtes Benediktenkraut)
Synonyme: Carduus benedictus und Carbenia benedicta (Familie der Asteraceae)
Andere Namen: Kardobenediktenkraut ("Kardo" kommt von carduus = Distel), Bitterdistelkraut, Distelkraut, Spinnendistelkraut, Carbenustee, Centaurea benedicta.
Herkunft: Ursprünglich beheimatet im Mittelmeerraum. Die gesammelte Droge *) wird aus Ost- und Südosteuropa sowie aus Italien und Spanien eingeführt. Kultiviert auch in Deutschland.
Benediktenkraut, geschnitten
Beschreibung
Distelartig beschaffen ist das bis zu 50 cm hohe Echte Kardobenediktenkraut, wie es gelegentlich auch genannt wird. Die getrocknete, geschnittene Pflanze (hier wie in der Pharmazie üblich als Droge *) bezeichnet) besteht infolge der starken Behaarung besonders der Deckblatteile aus miteinander verfilzten Stückchen, auffällig sind die gelblich-strohigen, auf der Innenseite weißlich glänzenden Hüllblattstückchen. Man erkennt bereits mit dem bloßen Auge, besser noch mit der starken Lupe zahlreiche lange Haare des Blütenstandsbodens und vereinzelt gelbliche Röhrenblüten der Composite. Die äußeren Hüllblätter sind kurz und einfach gestachelt, die inneren sind länger und mit je einem fiederförmigen, knieartig gebogenen Stachel ausgestattet. Die breiten Stengelstücke sind längsgefurcht, die Blätter weisen einen stachelspitzigen Rand auf.
Inhaltsstoffe
Cnicin (ein Germacranolid), Benedictin, Artemisiifolin (Sesquiterpenlacton) und weitere Bitterstoffe, ferner etwa 0,3% eines ätherischen Öls mit antibakteriellen Eigenschaften. Letzteres setzt sich u.a. aus Terpenen (p-Cymen, Fenchon, Citral), Phenylpropankörpern (wie beispielsweise Zimtaldehyd) und Benzoesäure zusammen. Der Gerbstoffgehalt beträgt ca. 8%. Weitere Inhaltsstoffe wie Triterpene und Flavonoide scheinen für die Wirksamkeit der Droge ohne Belang zu sein. Allerdings könnten die ebenfalls nachgewiesenen Lignane an der Bitterwirkung beteiligt sein.
Anwendung
Kardobenediktenkraut dient in Form eines Kräutertees als Tonikum (kräftigendes Mittel) und Amarum aromaticum (Bittermittel) zur Anregung des Appetits und zur Steigerung der Magensaftsekretion, hier jedoch von etwas schwächerer Wirkung als andere bekannte Bitterstoffdrogen. In der Volksmedizin auch eingesetzt als Gallemittel, Emetikum (erbrechenauslösendes Mittel, besonders in Form des Extrakts), wassertreibendes Mittel und Expektorans (auswurffördernd). Homöopathische Mittel aus Benediktenkraut verwendet man bei Mundtrockenheit und allgemeinen Verdauungsstörungen (Dyspepsie). Als Extrakt zusätzlich zur Bereicherung von Kräuterlikören.
Qualität
Die Droge*) wird im Vertragslabor des Lieferanten nach den offiziellen Arzneibuchvorschriften geprüft (DAC 1979) und dabei der qualitätsbestimmende Bitterwert gemessen. Die Analyse von Trocknungsverlust und Asche vervollständigen die Untersuchungen. In unserem Labor wird die Identität nochmals genau nachgeprüft. Verfälschungen sind bei der Droge sehr selten, Blätter anderer Pflanzen von distelartigem Habitus sind meist schon bei makroskopischer Prüfung, sicher aber durch die mikroskopische Betrachtung zu erkennen. Die Aufbewahrung soll kühl, trocken und dunkel erfolgen, aber nicht in Kunststoffgefäßen!
Teezubereitung
1,5 bis 2 g fein zerschnittene Droge (1 Teelöffel entspricht etwa 1 g) mit ca. 150 ml Wasser übergießen oder -besser- dieselben Mengen kalt ansetzen und bis zum Sieden erhitzen; nach 5 bis 10 Minuten abseihen. Als Amarum aromaticum jeweils 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten 1 Tasse Tee trinken. Nicht süßen!
Monographien
Deutscher Arzneimittel-Codex DAC 1979 und 1986 (Cnici benedicti herba)
Österreichisches Arzneibuch ÖAB
Schweizerisches Arzneibuch Ph.Helv. VI
Anforderungen des DAC 1986:
Beschreibung: entsprechend (Geruch/Geschmack, Morphologie, Anatomie)
Fremde Bestandteile: höchstens 2%
Trocknungsverlust: höchstens 12,0%
Asche: höchstens 15,0%
Bitterwert: mindestens 800, bestimmt mit 2,50 g Droge
Weitergehende Angaben zur Chemie der Inhaltsstoffe
Der Hauptwirkstoff ist Cnicin, ein ungesättigtes Sesquiterpendihydroxy-lacton vom Germacran-Typ (Solanitenolid), in dem eine Hydroxylgruppe mit einer ß-ungesättigten Dihydroxy-äthylacrylsäure verestert ist:
Cnicin kommt auch im Sterndistelkraut vor. Ein zweites Sesquiterpenlacton ist Artemisiifolin. Sesquiterpenlactone mit mono-oder bizyklischem Kohlenstoffskelett sind die Bitterstoffe der Asteraceae. Viele Sesquiterpenlactone wirken antibiotisch und zytotoxisch, ähnlich wie andere Lactone zyklischer Verbindungen (z.B. Cardenolide, Bufadienolide, Cumarinderivate).