Rohstoff-Dokumentation


Pirocton-Olamin

Andere Namen: 1-Hydroxy-4-methyl-6-(2,4,4-trimethylphenyl)-2(1-H)-pyridon-Ethanolaminsalz; Octopirox (R)

CTFA-Name: Piroctone Olamine

CAS-Nr.: [68890-66-4]

EINECS-Nr.: keine Angabe

Beschreibung:

Pirocton-Olamin kommt in Form eines feinen, weissen und geruchlosen Pulvers in den Handel. DieSubstanz löst sich klar in Methanol.

Anwendung:

Der Zusatzstoff ist ein typischer Antischuppenwirkstoff. Solche Substanzen werden vorwiegend in Shampoos eingearbeitet. Antischuppenshampoos sollen aufgrund ihrer Zusammensetzung neben ihrem antimitotischen Effekt (Hemmung der Zellteilungsaktivität, proliferationshemmend) und der keratolytischen* Wirksamkeit die Schuppen, Mikroorganismen (Pilze, Bakterien) und Lipide (Fettstoffe) der Kopfhaut entfernen bzw. bekämpfen. Bei Kopfschuppen ist die Zellteilungsrate in den obersten Schichten der Kopfhaut deutlich erhöht. Dabei hat man festgestellt, dass aufgrund dieser Vermehrung des Zellumsatzes eine Auflösung der sog. Columnärstruktur der Hornschicht (Stratum corneum) eintritt. Das führt zu einer Ablösung größerer Zellansammlungen, die dann als Kopfschuppen unangenehm in Erscheinung treten. Die auftretende Anzahl der Hornzellen im "Corneocyten count" ist ein Gradmesser für das Ausmaß der Schuppenbildung, die man in 10 Grade einteilt. Eine mit dem blossen Auge sichtbare Kopfschuppe enthält mindestens 500 Zellen, die im Verbund zusammenkleben. Lipolytische (Fettspaltende) Mikroorganismen unterstützen die Ausprägung von Kopfschuppen zusätzlich. Eine solche Mikroflora ist in den Haarfollikeln gegenwärtig und kann durch Antischuppenpräparate ("Antiandruffs") beeinflusst werden. Zu nennen wäre hier besonders der Hefepilz Pityosporum ovale.

Untersuchungen konnten belegen, daß Pirocton-Olamin einer der wirkungsvollsten Antischuppenwirkstoffe ist (vgl. u.a. Ergebnisse der Stiftung Warentest).

Zeichenerklärung:

(R) eingetragenes Warenzeichen der HOECHST AG

* Ablösung von Hornschichtbestandteilen von der Haut bzw. eine Auflösung der interzellulären Kittsubstanzen

Dosierung und Verträglichkeit:

Allgemein in Antischuppen-Shampoos 0,75% bis 1%; die Einsatzkonzentration in Haarwässern u.dgl. liegt niedriger (0,05-0,1%) und darf nicht überschritten werden. Zu beachten ist, dass das fertige Haarpflegemittel einen pH-Wert um 7 (zwischen 6 und 7, mit Universalindikator kontrollieren) haben muß, da Pirocton-Olamin sonst keine Wirksamkeit entfaltet und das Shampoo bei höherem pH alkalisch und aggressiv wird. Das Wirkstoffpulver löst sich in den Tensiden allmählich auf, wenn man den Ansatz eine Weile stehenlässt (Rezeptur in Pütz/Niklas, Cremes und sanfte Seifen).

In der angegebenen Konzentration ist Pirocton-Olamin praktisch ungiftig und greift selbst bei längerem Gebrauch die Haut nicht an. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass Antischuppenshampoos mit dem Wirkstoff nicht in die Augen gelangen bzw. wenn doch, dass die Augen gut mit klarem Wasser ausgespült werden. Bei Allergikern empfiehlt sich ein Allergietest nach Pütz/Niklas [Literaturverzeichnis]. Die mögliche allergisierende Wirkung wird auch im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik aufgeführt; dort wird die Substanz als "sinnvoll bei bedachtsamem Einsatz" klassifiziert.

Chemische und physikalische Daten der Reinsubstanz:

Schmelzpunkt: 135 °C (unter Zersetzung)
pH-Wert (Lsg.): 9,6
Löslichkeit: klar in Methanol
Spezif. Absorption 229 (in methanol. NaOH-Lösung i.Tr., gemessen bei l=318 nm)

Hersteller-Spezifikation:

Identität: entspricht
IR-Spektrum: entspricht
UV/VIS-Spektrum: entspricht
Schwermetalle: < 10 µg/g [ppm]
DC-Prüfung: entspricht
Sulfatasche: z.B. 0,05%
Trocknungsverlust: z.B. 0,10% (20 Grad Vak.):
Gehalt i.Tr.: entspricht (z.B. 100,9%)
Aminoethanol i.Tr.: entspricht (z.B. 20,6%)

Sicherheitsinformationen:

Das unverarbeitete Produkt ist ein Gefahrstoff im Sinne der Gefahrstoffverordnung.
Die beim Umgang mit Chemikalien notwendigen hygienischen Massnahmen sind unbedingt einzuhalten. Bei unbeabsichtigtem Verschütten und sonstiger Freisetzung unter Vermeidung von Staubbildung trocken aufnehmen und der Entsorgung (siehe unten) zuführen. Gut nachreinigen.

Kennzeichnung nach den EWG-Richtlinien/GefStoffV:

Kennbuchstabe und Gefahrenbezeichnung des Produktes:

Xi Reizend

R-Sätze (Gefahrenhinweise):
37/38 Reizt die Atmungsorgane und die Haut.
41 Gefahr ernster Augenschäden.

S-Sätze (Sicherheitsratschläge):
26 Bei Berührung mit den Augen sofort mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
39 Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen.
Für die Verwendung in privaten Haushalten:
2 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.

Erste-Hilfe-Massnahmen:
Hautkontakt: Verunreinigte Kleidung entfernen. Mit viel Wasser abwaschen.
Augenkontakt: Augen bei geöffnetem Lidspalt (ggf. unter Schutz des unverletzten Auges) längere Zeit mit reichlich fliessendem Wasser spülen. Arzt konsultieren.
Einatmen: Frischluft. Bei Unwohlsein Arzt hinzuziehen.
Nach Verschlucken: Mund ausspülen, Arzt hinzuziehen und chemischen Stoff angeben.

Hinweise zur Entsorgung von Chemikalienabfällen:

Chemikalien, die als Reststoffe anfallen, sind in der Regel Sonderabfälle. Deren Beseitigung ist durch entsprechende Gesetze bzw. Verordnungen der EG-Mitgliedsländer sowie in der Bundesrepublik Deutschland auch durch die Bundesländer geregelt. Bitte nehmen Sie mit der zuständigen Stelle (Behörde oder Abfallbeseitigungsunternehmen) Kontakt auf, die über die korrekte Entsorgung informiert.

Entsorgung ungereinigter Verpackungen:

Empfehlung: Entsorgung gemäß den behördlichen Vorschriften (s.o).

Weitere wichtige Hinweise:

Unsere hiermit gegebenen Informationen sind mit Sorgfalt erarbeitet und nach bestem Wissen für Sie zusammengestellt worden. Eine Gewähr für deren Richtigkeit kann jedoch nicht gegeben werden. Irrtum und Änderungen bleiben vorbehalten. Die Anwendung, Verwendung und Verarbeitung des ggf. gleichzeitig bezogenen Rohstoffs liegt ausschließlich im Verantwortungsbereich des Abnehmers. Unsere anwendungstechnische Beratung (sei es in Wort, Schrift oder auf elektronischen Datenträgern) befreit Sie nicht von der eigenen Prüfung der bezogenen Waren auf ihre Eignung für die beabsichtigten Einsatzzwecke und Verfahren. Der Abnehmer muss sich daher vor der Anwendung über die sichere und korrekte Handhabung und Dosierung der Stoffe unterrichten, ebenso über eventuell bestehende gesetzliche Vorschriften. Dies gilt insbesondere bei einer vorgesehenen Abgabe von Rohprodukten und verarbeiteten Waren (z.B. Kosmetikpräparate) an Dritte. Die vorliegenden Angaben entbinden einen ge-werblichen Abnehmer ebenso nicht von der ordnungsgemässen Wareneingangskontrolle (insbesondere in Hinsicht auf die Identitätsprüfung).

Für Schäden, die beim Umgang mit den Produkten entstehen, übernehmen wir keine Haftung. Für arzneiliche Zwecke und für Lebensmittel darf die vorliegend beschriebene Substanz nicht verwendet werden. Mit der Verwendung des bezogenen Rohstoffs erklären Sie sich mit den vorstehenden Bedingungen einverstanden.

Literaturhinweise:

Herstellerinformationen Octopirox (R) Hoechst AG, Frankfurt am Main

Nowak G.A., Die kosmetischen Präparate, 3. Aufl. 1984 Band 2 Rezeptur, Rohstoffe, wissenschaftliche Grundlagen (Verlag für chem. Industrie H. Ziolkowsky KG, Augsburg) ISBN 3-87846-114-3

ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik 1991, Band 3 Inhaltsstoffe von A-Z (rororo Sachbuch 9101) ISBN 3-499-19101-6

Pütz J./Niklas Chr., Cremes und sanfte Seifen 17. Auflage 1990 S. 148, Hobbythek-Buch (vgs Verlagsgesellschaft, Köln) ISBN 3-8025-6168-6

Pütz J./Niklas Chr., Das Lexikon der sanften Kosmetik 1. Aufl. 1988 S. 112f, Hobbythek-Buch (vgs Verlagsgesellschaft, Köln; leider vergriffen) ISBN 3-8025-6152-X

Pütz J./Niklas Chr., Schminken - pflegen - schönes Haar 8. Korr. Aufl. 1991 S. 144 und 36f Allergietest (vgs Verlagsgesellschaft, Köln) ISBN 3-8025-6177-5

Rechsteiner Andrée, Kosmetik-Rezeptbuch 1995 (Buchverlag Fischer Druck AG, Bern)

Wurm G. (Hrsg.) in HAGERs Handbuch der Pharmazeutischen Praxis 5. Aufl., Band 1 Waren und Dienste, S. 176 (Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York) ISBN 3-540-52142-9


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Stand der Information: 02.12.1998