Lexikon der ätherischen Öle


Salbeiöl, dalmatinisch

Andere Bezeichnungen: Salvia-officinalis-Krautöl; Oleum Salviae, Oleum Salviae officinalis, Salviae officinalis aetheroleum (lat.); Sage Oil, Dalmatian Type (engl.); Huile essentielle de sauge dalmatien (frz.); Salvia essenza di dalmazia (ital.)

Beschreibung

Unterwirft man dalmatinische Salbeiblätter einer Wasserdampfdestillation, so entsteht ätherisches Salbeiöl mit einer Ausbeute von etwa 0,5 bis 2,5% des ursprünglichen Gewichtes. Noch bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war im traditionellen Gewinnungsland des dalmatinischen Salbei (dem ehemaligen jugoslawischen Staatsgebiet) eine sogenannte Felddestillation mit einfachen, über offenem Feuer betriebenen Destillationsapparaturen üblich. Diese Methode wurde inzwischen durch einemoderneres Verfahren abgelöst: Das Erntegut wird in einen durchlöcherten Aluminiumbehälter gefüllt, der in die eigentliche Destillationsblase aus Kupfer, Stahl oder Hartaluminium eingesetzt wird. Da der ätherische Ölgehalt in tageszeitlichem Rhythmus schwankt und nach Erfahrung der Destillateure am Nachmittag am höchsten ist, werden die Pflanzen vor der Blüte und zu dieser Tageszeit geerntet und an der Luft bei maximal 30 °C schonend getrocknet. Handelsware, die aus Wildsammlungen mit hohem Sproßachsenanteil, aus bereits länger eingelagerten getrockneten Blättern oder aus Blättern von bereits abgeblühtern Wildpflanzen destilliert wurde, hat deutlich schlechtere Qualitäten und andere Analysendaten als die Öle aus frischen, für diesen Zweck eigens kultivierten Salbeipflanzen. In den aktuellen deutschen Arzneibüchern war dalmatinisches Salbeiöl lange Zeit nicht aufgeführt, lediglich das ältere Ergänzungsbuch zum Deutschen Arzneibuch 6 (Erg.-B. 6) beinhaltete eine Prüfvorschrift. In neuerer Zeit wurde die Essenz aber in den  Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC 3. Erg. 91, jetzt DAC 1999) aufgenommen.

Dalmatinisches Salbeiöl

ist eine klare, flüchtige, farblose bis schwach gelbliche oder auch grünlichgelbe, leichtbewegliche Flüssigkeit von typischem krautigem, an Eucalyptol und Thujon erinnerndem Geruch. Die Essenz ist in Wasser praktisch unlöslich, jedoch mischbar mit hochprozentigem Weingeist (Ethanol 96%), Diethylether, fetten Ölen und flüssigen Paraffinen.

Inhaltsstoffe

Charakteristisch und wertbestimmend ist der hohe Thujon-Gehalt, der auch die Geruchsnote prägt und an Cedernblätter- bzw. Rainfarnöl erinnert. Gehandelt werden Salbeiöle mit einem Gesamtgehalt an Thujon zwischen 30 und 60%. Ware mit einem Gehalt unter 40% Gesamtgehalt an Ketonen (berechnet als Thujon) ist dabei als minderwertig einzustufen, gute Öle enthalten 41 bis 60%. Hierbei wird aber auch Campher miterfasst, dessen Anteil 7 bis 10% ausmacht. Wichtiger weiterer Bestandteil ist das Eucalyptol (1,8-Cineol), wie der Name schon vermuten läßt der Hauptwirkstoff des Eukalyptusöls. Begleitend kommen Alkohole (etwa 7-16%, darunter Borneol, Thujol und Menthol) und wenig Ester (v.a. Bornylacetat) vor. Entdeckt wurden auch Salven, Pinen, Caryophyllen, Epoxydihydrocaryophyllen, Humulen, Camphen usw.

TABELLARISCHE ÜBERSICHT Gehalt ca.
a- und b-Thujon 30-60%
Eucalyptol (Cineol) 15%
Campher 7-10%
Borneol max. 5%
Bornylacetat max. 5%

Anwendung

Salbeiöl wird (verdünnt!) zum Gurgeln bei Mund-, Rachen- und Halsentzündungen sowie zum Inhalieren bei Erkältungskrankheiten und bei Entzündungen im Rachenbereich verwendet. Ein Verdunsten in der Aromalampe kann diese Anwendungen unterstützen.

Obwohl der Salbei segensreiche Wirkungen hat, ist die Verwendung von Salbeiöl für innerliche Zwecke nicht ganz unproblematisch, wenn man von der Möglichkeit es (entsprechend niedrig dosiert) als Gewürzessenz oder Bonbonaroma einzusetzen, einmal absieht. Das Problem liegt zum einen darin, die unbedenkliche Dosis zu finden, zum anderen ist der Ketonwirkstoff Thujon bei zahlreichen Personen kontraindiziert (so bei Bluthochdruckkranken, Epilepsiekranken, Schwangeren, Kindern, Lebergeschädigten). Es wird von Frauen berichtet, die sich anhand von "Ratgeber"büchern selbst mit Salbeiöl behandeln wollten. Die Erfahrungen reichten von extremer Mattigkeit und Schwindelgefühlen bis hin zu heftigen Bauchschmerzen, mäßigen bis schweren Gebärmutterkontraktionen und Blutungen, sogar zu Blutstürzen. In früherer Zeit wurde Thujon in Form des Salbeiöls oder Thujaextrakten sogar zur Einleitung von Abtreibungen (mit entsprechend hohem Risiko für das Leben der Schwangeren) mißbraucht. Aus der neueren Literatur sind nur zwei, glücklicherweise nicht tödliche Fälle von Salbeiölvergiftungen bekannt: Es handelt sich um einen Arbeitsunfall aufgrund unfreiwilligen Verschluckens beim Pipettieren im Laboratorium und eine "Aknebehandlung" mit Einnahme einer unkontrollierten Menge direkt aus der Vorratsflasche. Der Patient hatte sich bereits vorher einige Zeit mit einer Dosis von 3x11 eingenommenen Tropfen täglich selbst behandelt. Schon dies ist ein Vielfaches der bestimmungsgemäßen Dosierung einer heilkundlich überwachten Therapie (5 bis 14 Tropfen entsprechend 0,1 bis 0,3 g Salbeiöl als Tagesdosis!). Aromatherapeuten verwenden anstelle des Salbeiöls daher viel lieber Muskateller-Salbeiöl, welches einen bedeutend geringeren Thujongehalt hat.

Die Anwendung von Salbeiöl in verdünnter Form, wie z.B. in Mund- und Gurgelwässern, in Haarshampoos und Deodorants, in der Parfümerie, in der Aromalampe oder als Bestandteil von Massageölen für Kraftsportler mit stark entwickelter Muskulatur ist dagegen weitgehend ungefährlich. Es besitzt sogar den in der Parfümerie begehrten GRAS-Status (Generally Recognized As Safe: toxikologisch unbedenklich als Parfüminhaltsstoff, gute Hautverträglichkeit, keine cytotoxischen Effekte). Benutzt wird das Öl für trockene, würzig-kräuterige Kompositionen (v.a. in Seifen, Waschmitteln, After Shaves und Eaux de Cologne). Der Europäische Rat hat die Essenz als unbedenklichen Bestandteil für kosmetische Produkte zugelassen. Salbeiöl wird im Food Chemical Codex (FCC, Qualitätsvorschriften für Lebensmittelzusatzstoffe) und in der GRAS-Liste ohne Vorgabe eines Thujon-Limits als unbedenklicher Lebensmittelzusatzstoff genannt. Es wird bei der Lebensmittelherstellung viel verwendet für Backwaren, Puddings, Süßwaren, Fleischprodukte, Würzmischungen sowie alkoholische und nicht-alkoholische Getränke.

Esoterische Bedeutung

Die Beigabe von getrockneten Salbeiblättern (Achtung: nur echten dalmatinischen Salbei verwenden!) zu Kräutermischungen für sachets und Räucherwerk soll zum glücklichen Gelingen von Vorhaben beitragen. Die Abwehr ungünstiger äußerer Einflüsse ist eine zugeschriebene Eigenschaft, die man sich in der Aromalampe zunutze machen kann. Die Pflanze aktiviert die Selbstheilungskräfte und gibt verzagten Menschen neuen Mut und Selbstvertrauen. Besonders in Wein eingelegt soll Salbei zum Liebesgenuß reizen. Einer Überlieferung aus dem Pommerland zufolge "nehme man drei Salbeiblätter und schreibe auf das erste: Adam und Eva, auf das nächste Jesu Maria und auf das letzte deinen und ihren Namen. Brenne diese Blätter zu Pulver und bringe dies der erwählten Person beim Essen oder Trinken bei". Korrespondierender Planet ist der Jupiter, zugeordnetes Element die Erde.

Kennzahlen und Reinheitsvorschriften

Spezifikationen: NFT 75-218, Juni 1977, AFNOR Food Chem. Codex
(FCC)
DAC 1999
Dichte d25/25

0,903 bis 0,925

0,903 - 0,925

0,905 - 0,925

Brechungsindex nD20

1,4570 bis 1,4690

1,4570 - 1,4690

1,457 - 1,473
Opt. Drehung [a]D20

+2° bis +29°

+2° bis +29°

-3° bis +15°
Verseifungszahl

6 bis 20

5 bis 20

Esterzahl n. Acetylierung

25 bis 60

25 bis 60

Ketongehalt ber. als [Thujon]

>50%

>50%

>20% (Summe von a- und b-Thujon)
Löslichkeit

1 VT in 1 VT 80% Ethanol

wie nebenstehend mischbar mit Ethanol 96%
Schwermetalle negativ

Das frühere Deutsche Arzneibuch (Erg.B. 6) läßt nur Dichte, optische Drehung und Löslichkeit prüfen.

Aufbewahrung

Die Lagerung soll in möglichst voll gefüllten Gefäßen vorzugsweise aus Glas, an einem kühlen Ort und vor Licht geschützt erfolgen. Ätherische Öle sind feuergefährlich und müssen vor dem Zugriff von Kindern gesichert aufbewahrt werden.

Literaturhinweise Salbei und Salbeiöl


Wichtige Hinweise:

Das von der Fa. Omikron GmbH vertriebene Salbeiöl in Fertigpackungen ist nur für kosmetische, parfümistische und Aromatisierungszwecke und nicht für arzneiliche Zwecke bestimmt. Es existiert in Deutschland - im Gegensatz zu den getrockneten Salbeiblättern - keine Standardzulassung für das Öl; die Abgabe für arzneiliche Zwecke an den privaten Endverbraucher ist damit nur auf Einzelnachfrage möglich. - Wenn in der Literatur eine Einnahme von Salbeiöl zu arzneilichen Zwecken bisweilen kritikfrei propagiert wird, ohne auf die Gefahren für den obengenannten Personenkreis hinzuweisen, ist dies unseres Erachtens nicht verantwortungsvoll. Dies gilt nach Ansicht von Fachleuten übrigens generell für die nicht bestimmungsgemäße innerliche Einnahme der meisten ätherischen Öle, insbesondere in überhöhter Dosierung (vgl. das Buch von DAVIS). Eine Beratung durch einen Therapeuten (Arzt, Heilpraktiker) oder Apotheker ist hier unbedingt anzuraten.

Erstellt am 01.02.2000 * Letzte Änderung am 28.03.2004

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