MANUKAÖL


Manukaöl aus Neuseeland Stammpflanze: Leptospermum scoparium in verschiedenen Varietäten aus der Familie der Myrtaceae (geführt in 4. Ordnung Myrtales der Unterklasse Rosidae)

Andere Namen: "kahikatoa", roter Manuka, neuseeländischer Teebaum, roter Manuka-Teebaum

Herkunft: Der Manukastrauch gedeiht fast überall in Neuseeland, von den Küsten bis in die Höhen alpiner Regionen (bis zur Vegetationsgrenze). Das Manukaöl stammt aus Wildsammlung von Pflanzen, die in Neuseelands abgelegenem Eastcape wachsen.

Die Manukapflanze

Das widerstandfähige, immergrüne Gewächs ist sehr vielseitig in der Wuchsform und Höhe. Es kann 5 cm, aber auch 15 m hoch werden, einzeln als kleiner Baum oder in ausgedehnteren, geschlossenen Beständen in Form besenartiger Gestrüppe vorkommen. Die schmal-länglichen, nahezu nadelartigen Blätter haben einen aromatischen Geruch und einen bitteren, jedoch nicht unangenehmen, herben Geschmack. Bekannt wurde die Pflanze bereits durch Kapitän James COOK, der 1769 in Neuseeland eintraf und dessen Besatzung die Blätter als Teegetränk zubereitete. Seitdem nennt man die Pflanze auch "Teebaum" 1) (nicht zu verwechseln mit dem inzwischen viel verwendeten australischen Teebaum, Melaleuca alternifolia). Trocknet man Manukablätter, so geht ihr typischer Geschmack leider verloren. Es gibt außerdem noch eine verwandte Pflanze, die in ihren ökologischen Ansprüchen und Eigenschaften Manuka sehr ähnlich ist. Sie heißt Kanukabaum ("weißer Manuka", botanisch Kunzea ericoides).

1) Man verwendet die Benennung "Teebaum" für verschiedene Pflanzen, die den beiden Gattungen Leptospermum und Melaleuca zugehören. Beim Kauf ist es daher empfehlenswert, auf die Angabe der Stammpflanze zu achten.

Die ursprüngliche Verwendung der Manukapflanzen begann jedoch noch wesentlich früher als zu Zeiten der Cook´schen Entdeckung, denn die Maoris (Ureinwohner Neuseelands) behandelten Verbrennungen, Entzündungen, Insektenstiche und sogar Verwundungen ihrer Krieger mit daraus zubereiteten Umschlägen.

Die Blütenfarbe variiert, je nach Chromgehalt des Bodens, von weiß bis rosa. Zusammen mit den Blättern und dünnen Zweigen des Strauches dienen die Blüten zur Erzeugung des wertvollen ätherischen Manukaöls. Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen und ist eine klare, markant riechende Flüssigkeit mit gelblicher Farbe. Es unterscheidet sich von den meisten bekannten Ölen durch seine relativ dickflüssige Konsistenz. Aufgrund seiner weitgefächerten Einsetzbarkeit und bakterienwidriger Aktivität ist es von besonderem Interesse für die Naturkosmetik, Naturparfums und die Aromatologie.

Daneben werden auch Rinde, Samenkapseln und weiße Ausschwitzungen ("pia") der Pflanze vielseitig verwendet. In Form von Abkochungen (Dekokten), Aufgüssen (Infusen), Inhalationen, Dampfbädern, Säften oder auch als Pflanzenasche dienen sie zur Kurierung von Beschwerden wie Durchfall, Koliken, Fieber, Erkältung, Harnwegserkrankungen, Rachenentzündungen, Rückenschmerzen und als Beruhigungsmittel [Lit. 1].

In den letzten Jahren auch hierzulande bekannt geworden ist der wohlschmeckende Manuka-Honig, welcher in der traditionellen Medizin gleichfalls zur Linderung von Verdauungsstörungen benutzt wird.

In neueren neuseeländischen Studien hat man nachweisen können, daß Manuka-Honig geeignet ist, das Wachstum des für Infektionen der menschlichen Magenschleimhaut verantwortlichen Bakteriums Heliobacter pylori zu verhindern.

Inhaltsstoffe

Als wichtiger Inhaltsstoff des Manukastrauches (nicht im Öl enthalten) gilt Leptospermon, das enge Verwandtschaft mit den wurmtreibenden Wirkstoffen der Farne aufweist. Neben den wurmtreibenden (anthelminthischen) besitzt diese Substanz auch insektizide Eigenschaften. Weiterhin enthält die Pflanze als Produkte ihres Stoffwechsels Triterpensäuren (und Abkömmlinge, z.B. Betulin- und Oleanolsäure, p-Hydroxyzimtsäure) sowie Ellagsäure und deren Ester in der Rinde. Die letztgenannten Stoffe sind im wesentlichen für die Einsetzbarkeit bei Durchfall und Entzündungen im Magen-Darm-Bereich verantwortlich (sie haben adstringierende = zusammenziehende Wirkung auf die Schleimhaut).

Ätherisches Manukaöl enthält eine Vielzahl von Duftkomponenten, die in wunderbarer Weise zusammenwirken. Wie bei australischem Teebaumöl besitzt keiner der Einzelbestandteile für sich genommen auch nur annähernd die intensiven Effekte der aus der Pflanze gewonnenen Essenz. Dabei besitzt Manuka-Öl eine noch größere Bandbreite an Inhaltsstoffen, die für seine Wirksamkeit insgesamt verantwortlich sind.

Zwar bestimmen die Komponenten mit dem prozentual höchsten Anteil die physikalischen und auch chemischen Eigenschaften von Vielstoffgemischen (wie sie typischerweise ätherische Öle darstellen); die ausgeprägtesten biologischen Wirkungen können aber durchaus von den in kleinen Anteilen oder sogar nur in Spuren vorkommenden Substanzen herrühren. Mit den modernen analytischen Methoden, vorwiegend wären hier die computergestützte Massenspektrometrie und Gaschromatographie zu nennen, konnten die Wissenschaftler deutlich mehr als 100 unterschiedliche Bestandteile im Manuka-Öl nachweisen. Wie man der umseitigen Auflistung entnehmen kann, handelt es sich dabei vorwiegend um Terpene.

DIE WICHTIGSTEN KOMPONENTEN VON MANUKA-ÖL (Lit.[3],aus[5]), Durchschnittswerte

Monoterpene 15,8 % Sesquiterpene 26,4 %
a-Pinen 6,3 % b-Carophyllen 8,3 %
a-Selimen 4,8 % Humulen 5,5 %
Myrcen 1,8 % alpha-Cubeben 4,3 %
a-Copaen 0,9 % b-Elemen 4,3 %
b- Pinen 0,4 % bi-cyclo-Germacren 1,8 %
Limonen 0,4 % Calamenen 1,5 %
b-trans-Ocimen 0,4 % a-Gurjuren 0,7 %
alpha-Terpinen 0,3 % Sesquiterpen-Alkohole  
Sabinen 0,2 % g-Eudesmol 3,9 %
p-Cymen 0,2 % b-Eudesmol 3,5 %
Terpinolen 0,1 % a-Eudesmol 2,7 %
Monoterpen-Ester      
Geranylacetat 9,0 %    
Monoterpen-Oxide      
1,8-Cineoloxid 0,8 %    
Monoterpen-Alkohole      
Geraniol 7,2 %    
Linalool 6,1 %    
Monoterpen-Aldehyd      
Geranial 6,0 %    

Terpene sind Naturstoffe, deren Kohlenstoffgrundgerüst aus zwei (Mono-), drei (Sesqui-) oder noch mehr Einheiten mit dem Kohlenstoffskelett des Isoprens in Art eines "Baukastens" zusammengesetzt ist. Insgesamt sind den Forschern mehr als 5000 Terpene bekannt [6].

Betrachtet man diese Duftstoffe einmal etwas genauer, so bemerkt man, daß Manuka-Öl quasi viele verschiedene Essenzen auf einmal in sich vereinigt! So finden wir Geraniol, Geranylacetat und auch Linalool im duftenden, antiseptischen Geraniumöl, Caryophyllen im ebenfalls stark antiseptischen Gewürznelkenöl, und a-Cubeben ist bekannt als typischer Inhaltsstoff der Pfeffergewächse (Piperaceae). Pinene schließlich kommen in den Balsamölen der Nadelhölzer vor.

Weiterhin fällt auf, daß fast alle Inhaltsstoffe des Öls sehr lipophil ("fettliebend", in Fett löslich) sind.

Aufgrund dieser Neigung hat Manukaöl die Fähigkeit, sich in den Lipoiden (fettähnliche Bestandteile der Zellmembranen) z.B. von Bakterien zu lösen und dort Störungen hervorzurufen. 1/3 der Komponenten verdunsten relativ langsam, was eine ausgezeichnete Oberflächen-Haftungseigenschaft und damit Durchdringungsmöglichkeit auf der Haut bewirkt. Eine noch bessere Verteilung des Manukaöls wird erreicht, wenn man es zur Anwendung mit einem geeigneten reinen Pflanzenöl (wie Mandel-, Jojoba- oder Weizenkeimöl) mischt. Diese Einsatzform bietet auch den Vorteil einer besseren Dosierbarkeit, denn die Wirkstoffe liegen wie bei allen ätherischen Ölen hochkonzentriert vor. Es konnte beispielsweise festgestellt werden, daß Manukaöl eine etwa um den Faktor 20 bis 30 gesteigerte Aktivität gegen grampositive Bakterien (u.a. die Traubenkokkenart Staphylococcus aureus) aufweist als das schon als sehr wirksam bekannte Melaleuca- oder australische Teebaumöl. Je nach Anwendungsgebiet kann man von einer 4 bis 30mal höheren Aktivität ausgehen und entsprechend sparsam dosieren.

Anwendung

Von den schon mehrfach erwähnten antiseptischen Eigenschaften des Manukaöls leiten sich auch die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ab. In diesem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse darauf hinzuweisen, daß VON CZETSCH-LINDENWALD bereits im Jahr 1956 feststellt, daß ätherische Öle in Dampfform eine weitaus intensivere antimikrobielle Wirkung zeigen als im direkten Kontakt. Der Autor spricht dabei von einer oftmals ausgeprägten "Fernwirkung" der Öle. So ist Manukaöl sehr geeignet zur atmosphärischen Reinigung durch Verdunstung in Aromalampen und zur Inhalation. Wichtig ist eine solche Luftreinigung für Erkältungsanfällige und Hausstauballergiker. Vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich auch in der Kosmetik und Körperpflege. Ob als Bestandteil von Massageölen (1-4% in einem rein pflanzlichen Trägeröl), Badezusätzen (mit einem natürlichen Emulgator, z.B. Fluidlecithin BE), Gesichtswässern, Shampoos, Haushaltsreinigern - den Einsatzmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Manuka- Kosmetikprodukte eignen sich besonders gut zur Hautpflege bei Akne. Auch kann man Gegenstände mit einer verdünnten Lösung des Öls in 70%igem Alkohol desinfizieren. Bisher stammt das Wissen über Manuka aus Anwendungsbeobachtungen und traditionellen neuseeländischen Erfahrungen, wobei über unerwünschte Wirkungen keine Erkenntnisse vorliegen. Aus Vorsichtsgründen und der schwierigen Dosierbarkeit wegen sollte ein unverdünntes Aufbringen auf die Haut sowie die Einnahme unterbleiben.

Literaturhinweise Manuka u. allg. Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen

[1] Blum Annegret, Am anderen Ende der Erde (Deutsche Apotheker-Zeitung 135. Jahrg., Nr. 14 vom 6.4.1995, S. 1227)

[2] Brooker S.G. et al., New Zealand - Medical Plants (Reed Books, Auckland 1987)

[3] Inhaltsstoffübersicht in Forum essentia 1/95

[4] Kubeczka K.-H. (Hrsg.), Ätherische Öle 1. Aufl. 1982 (Georg Thieme Verlag, Stuttgart)

[5] Mohr-Lüllmann R., Manuka-Öl - Traditionelles Heilpflanzenöl 2. Aufl. 1996 (Inst. für pharmazeutische Analytik, Bremen)

[6] Teuscher Eberhard, Pharmazeutische Biologie 2. Aufl. 1979 (Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsges., Braunschweig)


Erstelt am 04. Nov. 1997 * Letzte Änderung am 31.01.2002 * Peter Rau, Neckarwestheim
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