Kamillenöl blau


Stammpflanze und Beschreibung



Sonstige Bezeichnungen:

Dt.: Ätherisches Kamillenöl, Chamomilla recutita-Blütenöl, Kamillenöl; Engl.: Camomile Oil, German Type, Camomile Oil, Hungarian Type, Matricaria Oil; Frz.: Essence de petite camo-mille; Ital.: Olio essenziale di camomilla; Span.: Aceite de manzanilla, Esencia de camomila; Lat.: Aetheroleum Chamomillae, Matricariae oleum, Oleum Chamomillae.

Gewinnung:

Echtes Kamillenöl wird durch Wasserdampfdestillation aus frischen oder getrockneten Blütenköpfchen und Stengeln der Kamillenblüten gewonnen. In der Produktionspraxis werden überwiegend frische Kamillenblüten mit Stengeln eingesetzt. Die Kamillenöle aus frischen und getrockneten Pflanzenteilen weisen keine erheblichen Unterschiede im Wirkstoffgehalt auf. Die Art des Destillationsguts und des Destillationsverfahrens beeinflußt allerdings die Zusammensetzung der Essenz. Bei Verwendung von stengelhaltiger Blütenware kann die Ölausbeute im Vergleich zu reiner Blütenware verbessert werden. Bei langer Dampfeinwirkung resultieren Öle mit hohem Wachsanteil, wobei die Dichte der Kamillenöle offensichtlich mit ihrem Wachsgehalt zusammenhängt. Längere Einwirkung von Hitze führt bei der Destillation zu einer fast vollständigen Zersetzung der cis- und trans-Spiroether und zu einer weitgehenderen Umsetzung des Inhaltsstoffs Matricin in das dunkelblauviolette Chamazulen (näheres siehe Abschnitt Inhaltsstoffe). Die Herstellung von 1 kg ätherischem Öl erfordert ca. 200 kg frische Blüten (Die Ausbeute variiert stark, sie beträgt zwischen 0,35 und 1,5%, in Anhängigkeit von der Zuchtrasse teilweise auch mehr).

Beschreibung:

Kamillenöl ist ein dickflüssiges, bei tiefen Temperaturen fast butterartiges Öl (EB 6), es ist tief dunkelblau bis blaugrün gefärbt und riecht und schmeckt eigentümlich (charakteristisch nach Kamille, balsamisch, etwas blumig und nach Honig).

Inhaltsstoffe:

Kamillenöl enthält die wasserdampfflüchtigen, lipophilen Inhaltsstoffe der Kamillenblüten. Hauptkomponenten sind (-)-alpha-Bisabolol, Bisabololoxide A, B und C, Bisabolonoxid, Chamazulen (entstanden aus Matricin durch Verseifung, Wasserabspaltung und einem weiteren Abspaltungsschritt), weiterhin die cis- und trans-En-In-dicycloether (Spiroether). Bis zu 45% des ätherischen Öls bestehen aus trans-ß-Farnesen. Untergeordnete Bedeutung besitzen die Bestandteile Cadinen, Nerolidol, Patchoulen, Caryophyllenoxid, Farnesol, Furfural, Umbelliferonmethylether, Spathulenol, alpha-Cubeben, Calamen, alpha-Muurolen, Myrcen und Flavone. Obwohl die Arzneibücher blaue, d.h. chamazulenreiche Kamillenöle vorschreiben, werden bisher nur im ungarischen Hung VII Mindestgehalte gefordert: 2,5% Chamazulen und 10% (-)-alpha-Bisabolol. Die in Kamillenblüten enthaltenen, polaren Inhaltsstoffe wie Cumarine, Flavonoide, aromatische organische Säuren und Polysaccharide sind in ätherischem Kamillenöl wie auch in Kohlendioxid-Hochdruckextrakten der Pflanze gleichermaßen nicht enthalten.

Chamazulen [gif 7 kB]

Abbildung: Umwandlung des in Kamillenblüten enthaltenen Matricins in blauviolettes Chamazulen
Formelschema erstellt mit ChemWeb * Thanks to SoftShell International for a copy of the software

Verwendung:

Wie bei Kamillenblüten, siehe dort. Zur Wirkstoffstandardisierung von Kamillenpräparaten. Kamillenöl ist wertvoll in Kräuter-Schaumbädern, Shampoos, Baby-Cremes und hautschützenden Handcremes (allgemein Pflegepräparate) sowie in Sonnenschutz- und After-Sun-Präparaten. Aromatherapeutisch unterstützt Kamillenöl bei der Milderung von disharmonischen Gemütszuständen wie Reizbarkeit, Nervosität, Unzufriedenheit, Ärger und seelischem Schmerz. In der Parfümerie Bestandteil von Chypre-Noten. Dem Kamillenöl wurde von der FEMA der GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) zuerkannt und von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA bestätigt. Der Europarat hat Kamillenöl in die Liste der zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe aufgenommen; in der wichtigen Vorschriftensammlung für Lebensmittelzusatzstoffe (Food Chemicals Codex, FCC 3rd edition) ist Kamillenöl blau in Form einer Monographie beschrieben.

Qualität:

Der Hauptbestandteil Kamillen-Bisabolol wird häufig durch den billigeren, isolierten Wirkstoff aus Vanillosmopsis erythropappa ersetzt. Neuerdings ist es gelungen, den Nachweis derartiger Verfälschungen mittels IRMS bzw. GC/IRMS zu führen. Zusätze des wesentlich billigeren racemischen Bisabolols lassen sich durch Bestimmung des Drehwerts der isolierten Substanz und durch Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie (HPLC) mit Polarimeter-Detektion nachweisen. Chamazulen stammt gelegentlich aus Zusätzen von Schafgarbenöl. Auch Verfälschungen durch Guajazulen sind nachzuweisen. Jede unserer Partien Kamillenöl blau wird einer chargenbezogenen Analyse mittels Gaschromatographie (GC) unterzogen.

Kamillenöl vor Licht geschützt, kühl und in dicht schließenden Gefäßen aufbewahren.

Monographien:

Literaturhinweise Kamille

Information erstellt am 08.12.1995


Letzte Änderung am 11.04.1999

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