OMIKRON GmbH Naturwaren
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BERGAMOTTE
Nr. 0691 Bergamotteöl 1a Elfenbeinküste; Nr. 3178 Bergamotteöl extra Reggio; Nr. 1552 Bergamotteöl furocumarinfrei (FCF) ItalienStammpflanze:
Citrus aurantium ssp. bergamia (R
ISSO et POIT.) ENGL.(Familie der Rutaceae, Rautengewächse; Unterfamilie Aurantioideae)
Synonymbezeichnung: Citrus bergamia R
ISSO et POIT.Andere Namen:
Bergamott(en)baum; bergamot tree (engl.); Bergamotier (frz.); Bergamotto (albero) (ital.) (Öl) Oleum Bergamottae, Bergamottae aetheroleum; Citrus aurantium ssp. bergamia-Fruchtschalenöl; essence de bergamote (frz.); bergamot oil, oil of bergamot (engl.)Herkunft:
Heimisch und kultiviert im Mittelmeergebiet, besonders in der italienischen Provinz Kalabrien und in Frankreich; seit einigen Jahren gewinnt die Erzeugung von Bergamotteöl in Westafrika (Guinea und Elfenbeinküste) an Bedeutung. Geringere Vorkommen gibt es weiterhin in Südamerika, Kalifornien und in Spanien.Botanik
Bei der Bergamottepflanze handelt es sich um einen kleinen Baum, der bis etwa 5 m hoch werden kann. Das Fruchtfleisch ihrer Beerenfrüchte wird aus großen Ausstülpungen ("Zotten") der mittleren Schicht der Fruchtwand ( = Mesokarp) gebildet, die von einer sog. Endokarphaut 1) überzogen sind. Vergleichbar aufgebaut sind die Früchte der bekannteren Citrus-Verwandten Citrone, Orange, Mandarine und Grapefruit. Die einer Miniatur-Orange ähnlichen Früchte werden auch als "Bergamottebirnen" bezeichnet. Zur Gewinnung des ätherischen Öls finden die unreifen Früchte Verwendung, welche für den Menschen ungenießbar sind.Beschreibung
Bergamotteöl ist eine klare, leicht bewegliche, typisch gelbgrün gefärbte Flüssigkeit mit angenehmem Geruch. Der Duft des echten Bergamotteöls zeigt eine auffallende "Fülle" und besitzt - naturreine Ware von hoher Qualität vorausgesetzt - eine unvergleichliche Frische und Originalität mit tabakähnlicher Note nach Orangenblüten. Der Dufteindruck ist lebhaft, klar und wenig fruchtig-süß. Das Öl weist bisweilen einen festen Bodensatz auf und ist in höherprozentigem Alkohol, nicht aber in Wasser löslich.Gewinnung
Wie bei allen verwandten Citrusölen (diese werden auch "Agrumenöle" genannt) erfolgt die Gewinnung von Bergamotteöl durch kalte Pressung aus den Fruchtschalen der Pflanze, wobei die Öldrüsen mechanisch zerstört werden. Früher erfolgte das Auspressen mit der Hand, heute besorgen Maschinen diese Tätigkeit. Das so freigegebene Substanzgemisch wird aus der wäßrigen Emulsion mittels Zentrifugieren - ohne Verwendung organischer Lösungsmittel und ohne Erwärmen - abgetrennt. Da die frischen Schalen lediglich 0,5% ätherisches Öl enthalten , benötigt man zur Gewinnung eines Kilogramms Bergamotteessenz ca. 200 kg Ausgangsmaterial! Die Jahresweltproduktion des Öls beträgt etwa 250 Tonnen.
Inhaltsstoffe
Bergamotteöl ist das einzige Citrusfruchtöl, in dem nicht der Duftstoff (+)-Limonen, sondern eine Kombination von S-(+)-Linalool und dessen Ester (v.a. Acetat) dominieren. Etwa zur Hälfte besteht die Essenz aus diesen beiden Stoffen. Der hohe Gehalt an Linalool, Linalylacetat und Limonen verführt zu Verfälschungen des Öls mittels dieser preisgünstigen, von der Großchemie synthetisch hergestellten Substanzen (siehe Abschnitt Qualität).Die Forscherin R
EGULA NÄF konnte weitere 174 (!) chemische Verbindungen nachweisen, von denen 26 in einer Konzentration oberhalb von 1 Promille vorkommen und dabei 96% des Öls ausmachen. Das Öl ist damit ein gutes Beispiel dafür, daß die Spurenkomponenten oftmals den zahlenmäßig größeren Teil der Inhaltsstoffe ausmachen. Sowohl die Geruchsfülle wie auch die Heilwirkung eines ätherischen Öls wird dabei erst durch das Vorhandensein dieser Spurenbestandteile geprägt. Ein aus den Hauptbestandteilen "nachgekupfertes" Präparat kann den Eindruck eines echten Öls niemals befriedigend erzeugen. Analysen zufolge enthält Bergamotteöl (Angaben in %, Lit. [ ])| Kohlenwasserstoffe | Aldehyde | Alkohole |
| (+)-Limonen 26 | Octanal 0,07 | n-Octanol 0,02 |
| a-Pinen 1-2,2 | Nonanal 0,08 | Linalool 16 |
| b-Pinen 4-10 | Citral 0,6 | Geraniol 0,5 |
| Sabinen 1 | Citronellal 0,2 | Nerol 0,08 |
| b-Phellandren 0,1 | Ketone | Fenchol 0,01 |
| b-Terpinen 3,2 | Carvon 0,09 | a-Terpineol 0,3 |
| g-Terpinen 5-11 | Ester | Terpinen-4-ol 0,06 |
| Terpinolen 0,3-1 | n-Octylacetat 0,15 | |
| p-Cymol 0,5-3,5 | n-Decylacetat 0,03 | |
| Myrcen 0,6-1,3 | Citronellylacetat 0,02 | |
| Farnesen 0,04 | Geranylacetat 0,4-0,8 | |
| Caryophyllen 0,2 | Nerylacetat 0,4-1,2 | |
| a-Bergamoten 0,3 | Linalylacetat 34 | |
| b-Bisabolen 0,6 |
Ferner werden beschrieben die n-Alkane C20 bis C33 und als geruchlich wichtige Spurenkomponente (Z)- und (E)-5-Octen-3-on sowie in Spuren Perilla- und Flieder-Aldehyd, (Z)-Jasmon, Dehydrocineol u.a.m. Eine Besonderheit stellt das Vorkommen von Cumarin-Abkömmlingen dar, die in Verbindung mit Lichteinwirkung entzündliche Hautreaktionen hervorrufen können (sog. "phototoxische" Wirkung, Berloque-Dermatitis durch Psoralen-Derivate). Von den Cumarin-Derivaten ist nur das Bergapten (Methoxypsoralen) phototoxisch, nicht aber die weiterhin vorkommenden Stoffe Bergamottin, Citropten bzw. Geranoxy-7-methoxy-cumarin. Die für die Kosmetik- und Parumindustrie bestimmten Richtlinien der IFRA empfehlen, Bergamotteöl nur in begrenzten Konzentrationen (max. 2%, entsprechend 75 ppm Methoxypsoralen) für Hautkosmetikpräparate einzusetzen, sofern die damit behandelte Haut danach der Sonne ausgesetzt wird. Nicht nötig ist diese Empfehlung für Mittel, die wieder von der Haut abgewaschen werden (Badeöle, Shampoos, Flüssigseifen u. dgl.).
Anwendung
Für die feine Parfümerie ist Bergamotte unter den Ölen der Citrus-Familie das bedeutenste. Seit Jahrhunderten ist es ein prägender (und wohl der wichtigste) Bestandteil des "Kölnisch Wasser", einem der ältesten und bekanntesten Toilettewässer. Das Geheimnis der Zusammensetzung des echten Eau de Cologne ist, obwohl streng gehütet, mit der Zeit doch mehr oder weniger getreu bekannt geworden. In der klassischen Kölnisch-Wasser-Komposition bildet Bergamotteöl mit 20-30% den Hauptbestandteil neben Citronen-, Orangenblüten-, Orangen-, Lavendel- und Rosmarinöl. Die folgende Rezeptur läßt die Bedeutung der einzelnen Öle für die Komposition erkennen:
| Neroliöl bigarade | 4 Tr. | Die
nebenstehende Ölmischung wird in ca. 50 ml 96%igen
Weingeist gegeben und 7,5 ml Wasser hinzugefügt. Die Mischung 24 Stunden im Gefrierschrank aufbewahren und filtrieren. |
| Petitgrainöl | 1 Tr. | |
| Bergamotteöl | 10 Tr. | |
| Citronenöl | 5 Tr. | |
| Orangenschalenöl | 5 Tr. | |
| Rosmarinöl | 2 Tr. | |
| Lavendelöl | 2 Tr. | |
| Benzoetinktur | 5 Tr. | |
| Moschustinktur | 1 Tr. | |
| Rosenöl bulgar. | Spur | |
| Iristinktur | 2 Tr. | |
| Ylang-Ylangöl | Spur | |
Bergamotteöl spielt auch eine Rolle als aromatisierender Bestandteil in der Likör- und Zuckerwarenfabrikation. Berühmt geworden ist die Teesorte "Earl Grey", die ihre Beliebtheit diesem ätherischen Öl verdankt. Dem Tee wohnt - ähnlich wie dem Kölnisch Wasser - eine "kühlende" und aufmunternde Wirksamkeit inne. Wie viele ätherische Öle vertreibt Bergamotteöl sehr wirkungsvoll Insekten, ist auch Bestandteil in entsprechenden Handelspräparaten, allerdings zieht man für diesen Einsatzzweck Öle mit geringerer Flüchtigkeit (Lavendel, Citronella) vor. Die Anwendung müßte sonst allzuoft wiederholt werden. In verschiedenen Mitteln zum Fernhalten von Haustieren von Pflanzen ist das Öl ebenfalls enthalten.
Eine große Beduteung hatte Bergamotteöl von jeher in der italienischen Volksheilkunde. Der Name der Pflanze leitet sich von der kleinen, aber bekannten Stadt Bergamo in Norditalien ab, in deren Umgebung das Bäumchen ursprünglich angebaut wurde. Allerdings beschränkte sich die Anwendung der Bergamotte lange Zeit auf Italien, denn sie war außerhalb des Landes nahezu unbekannt und gelangte erst in neuerer Zeit in den Export.
Aromatherapeutisch hat Bergamotteöl besonderen Bezug zu Harnwegen und Geschlechtsorganen (Urogenitalsystem). Durch die antiseptische Wirkung kann es die Behandlung von Blasen- und Harnröhrenentzündungen, mit denen besonders Frauen (oft chronisch) zu tun haben, sinnvoll ergänzen. Dazu bieten sich Bäder oder örtliche Waschungen mit stark verdünntem Öl (10 bis 20 Tropfen Öl mit 250 ml warmem Wasser verschütteln) an. Eine Kombination mit Lavendelöl ist möglich. Je früher eine Behandlung begonnen wird, desto eher kann verhindert werden, daß sich die Infektion von den unteren Abschnitten der Harnröhre zur Blase hin ausbreitet. Kommt keine baldige Besserung der Beschwerden zustande oder treten Fieber bzw. Schmerzzustände auf, so muß umgehend ein Arzt konsultiert werden. Diese Maßregel gilt generell für die aromatherapeutische Behandlung. Die aromatherapeutische Literatur, z.B. Lit. [1, 2, 7, 9, 11 ] nennt vielfältige weitere Anwendungsgebiete.
Äußerlich angewendet eignet sich die Essenz für Hautpflegeprodukte bei Akne und unreiner, fetter Haut. Es kann je nach Wunsch Cremes, Lotionen, Haar- und Massageölen, Deodorants sowie Duftwässern und Pomaden beigegeben werden (phototoxische Wirkung beachten!). Das Öl sollte immer verdünnt angewendet werden, da Hautreizungen bei unverdünntem Auftragen nicht auszuschließen sind.
Erfrischendes Massageöl mit Bergamotte
Qualität
Was viele Therapeuten und Autoren befürchteten und viele Händler bereits ahnten - nach einem Artikel des Umweltmagazins ÖKO-Test (in Heft 10/95) ist es erstmals in einer umfangreich angelegten Untersuchung des Instituts für organische Chemie der Universität Hamburg von Prof. Wilfried König und seiner Arbeitsgruppe nachgewiesen worden: Ätherische Bergamotteöle des Handels waren zu 70% mit verfälschten und damit billigen Duftkomponenten gestreckt. Nur 16 von 53 Ölen entsprachen damit der Deklaration "naturreines ätherisches Öl", darunter das von OMIKRON vertriebene.
Es hat sich mit dieser Untersuchung erwiesen, daß die bisher verwendeten - und bis heute in den einschlägigen Arzneimittel- und Lebensmittelprüfvorschriften niedergelegten - Methoden der Qualitätskontrolle für ätherische Öle nicht ausreichen. Der kriminellen Energie der Fälscher kann inzwischen nur noch mit einem Aufgebot modernster Analysetechniken entgegengetreten werden. König konnte die Verfälschungen aufgrund der Tatsache herausfinden, daß die beiden Hauptduftstoffe des natürlichen Bergamotteöles sogenannte chirale (griech. cheir = Hand) Struktur haben. Chiralität ist die von Lord Kelvin bereits 1904 geprägte Bezeichnung für "die Eigenschaft eines Objekts, sich von seinem Spiegelbild zu unterscheiden". Zur weiteren Erläuterung: Diese Duftstoffmoleküle gibt es in zwei gleich aufgebauten Ausführungen, lediglich unterscheiden sie sich in der räumlichen Anordnung der Atomgruppen, vergleichbar mit den zwei Handschuhen eines Paars. Der Chemiker bezeichnet diese beiden Versionen als R- und S-Form oder (mit dem Fachbegriff) als R- und S-Enantiomere. Im natürlichen Bergamotteöl kommen lediglich die S-Enantiomere der Duftkomponenten Linalool und Linalyl-acetat vor. Und jetzt kommt der Clou: Der Analytiker fand in den beanstandeten Ölen einen Gehalt bis zu 50% R-Ausführung. Da ein künstlich erzeugtes Linalool zu 50% aus R- und zu 50% aus S-Form besteht, bedeutet ein festgestellter Gehalt von 50% R-Form einen völligen Austausch der Duftkomponenten S-Linalool und S-Linalylacetat durch synthetisch hergestellte RS-Produkte! Da ätherische Öle, deren einwandfreie Qualität nicht sicher feststeht, für eine aromatherapeutische Verwendung wertlos oder gar schädlich sind (vgl. auch die entsprechenden Aussagen in von DAVIS in Lit. [ 2] und von HENGLEIN in Lit. [ 6]), ist die Verunsicherung der Verbraucher groß. Die ÖKO-TEST-Untersuchung beweist, daß auf die "reine" Deklaration nicht immer Verlaß ist. Zusätzlich zu den bereits bisher durchgeführten Warenprüfungen (physikalisch/chemische Konstanten, organoleptische Beurteilung, Gaschromatographie) wird inzwischen neben Bergamotteöl eine ständig steigende Anzahl der ätherischen Öle von OMIKRON mit der von Prof. König entwickelten Methodik (chirale Gaschromatographie) auf Verfälschungen hin untersucht.
Ökotest-Urteil