Stammpflanze: Inula helenium LINNÉ (Echter Alant)
Synonyme (= andere Bezeichnungen für dieselbe Art): Aster helenium (L.) SCOP., A. officinalis ALL., Corvisartia helenium (L.) MÉRAT, Helenium grandiflorum GILIB.
Familie der Asteraceae, Unterfamilie Asteroideae, Tribus Inuleae, in Ordnungsgruppe Asteranae, Ordnung Asterales/Compositae
Unterarten sind nicht bekannt. Chromosomenzahl 2n=20
Andere Namen: Helen(en)kraut, Großer Heinrich, Brustalant; für die Wurzel auch: Aletwurzel, Altwurzel, Oldwurzel, Darmwurz, Donavarwurzel, Edelherzwurzel, Fadenwurzel, Glockenwurzel, Handwurzel, Odinskopfwurzel, Schlangenwurz, Umlenkwurzel; Nhd.: Alant
Engl.: Elecampane (root), elfdock (root), ploughman´s spikenard, scabwort;
Frz.: Rhizome d´aunée officinale, Racine d´aunée;
Span.: Ala, astabaca, enula campana, hierba del moro, helenio;
Lat.: Rhizoma Helenii, Radix Enulae
Ursprünglich beheimatet ist die Pflanze wahrscheinlich in Zentralasien und Südosteuropa, eingebürgert in Kleinasien, Nordamerika und Mitteleuropa (bis Großbritannien und Norwegen). Die heute verwendeten Pflanzen stammen aus Kulturen, vorwiegend in China, GUS-Staaten und Bulgarien. Kleinere Anbauflächen gibt es auch in Nordholland, Belgien, Frankreich, Deutschland, Polen u.a.
Die Gattung Inula, zu der der Echte Alant gerechnet wird, umfasst etwa 120
Arten, von denen etwa 25 in Europa vorkommen. Wie die meisten seiner Inula-Verwandten
ist Alant ausdauernd und krautig. Die Pflanze misst zwischen 80 und 180 cm; ihr
rundlicher, sehr kräftiger Stengel steht aufrecht. Er ist von grüner, bisweilen
purpur überlaufener Färbung. Die bis 25 cm langen Blätter weisen einen fein
gesägten Rand auf, sind oberseits rauh, zerstreut-kurzhaarig und unterseits
weichhaarig-filzig mit ziemlich kurzen, aber sehr dichten Haaren. Die untenstehenden
Blätter sind gestielt, breit-lanzettlich bis oval, die oberen halb stengelumfassend
sitzend und länglich-herzförmig ausgebildet. Die zahlreichen Blütenköpfchen
sind 6 bis 8 cm breit und formen eine Traube bzw. (obere Blüten) eine Doldentraube. Die
Blütenhülle (ohne Hüllblattanteile 20 mm breit und 15 mm hoch) ist becherförmig und
weist zahlreich mehrreihige Hüllblätter auf. Echter Alant besitzt schmale, lange und
zungenförmige Strahlenblüten von leuchtendem Gelb. Daneben kommen sehr zahlreich gelbe,
zwittrige, röhrige Scheibenblüten vor. Die Blütezeit dauert von Juni bis Oktober.
Der Wurzelstock ist kurz und gedrungen, aus ihm entspringen bis zu 10 mm dicke und
bis zu 50 cm lang werdende Wurzeln. Bei der in den Handel kommenden Droge handelt es sich
um die schonend getrockneten (bei künstlicher Trocknung allerhöchstens bis 60 °C
erwärmten!) Stücke der walzenförmigen, aussen gelblichen bis graubraunen, innen
bräunlichen, fleischigen Nebenwurzeln. Daneben kommen ca. 4 cm breite Längsstücke,
seltener Querscheiben des gespaltenen, bis zu 10 cm langen und bis zu 5 cm dicken,
längsrunzeligen Wurzelstocks vor. Aus den unterirdischen Teilen, die würzig-bitter
schmecken und aromatisch riechen, gewinnt man das Alantöl.
Der ästige, verdickte Wurzelstock wird samt Wurzeln im Herbst geerntet. Zu diesem Zeitpunkt, am Ende der Vegetationsperiode, ist der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten. Man unterwirft die Pflanzenteile einer Wasserdampfdestillation, dabei entsteht in einer Ausbeute von 1 bis 3% des Ausgangsgewichtes (vereinzelt werden sogar bis zu 5% angegeben) Alantwurzelöl. Auch die Methode der Lösemittel-Extraktion kann angewandt werden, dabei entsteht ein sog. Absolue.
Destillierte Alantwurzelessenz ist sehr dickflüssig-viskos oder nahezu salbenartig-halbfest und dunkel-cremefarbig bis gelb-bräunlich. Das Absolue hat ebenfalls halbfeste Konsistenz, ist aber dunkler gefärbt (grün bis oliv-braun). Zur besseren Verarbeitung sollte es im Wasserbad bis zur Verflüssigung erwärmt werden. Alantwurzelöl riecht kräftig holzig-erdig, sein Duft erinnert etwas an Honig und Ambra; die geübte Nase bemerkt einen Beiklang von Kalmus. Aufgrund der hohen Haftfestigkeit besitzen Destillat und Extrakt eine starke fixierende Wirkung.
Der größte Teil des Öles besteht aus Sesquiterpenlactonen und deren Abbauprodukten. Charakteristisch sind Alantolacton und Isoalantolacton sowie das Germacren-D-lacton. Das Gemisch aus den Alantolactonen wird , vor allem in älteren Beschreibungen, auch als Helenin, "Alantkampfer" oder einfach als Alantolacton bezeichnet. Abbauprodukte sind Alantol und Alantsäure. Weiterhin findet man im ätherischen Öl Sesquiterpen-Kohlenwasserstoffe (bes.
b-Elemen), Triterpene (Friedelin, Dammarandienol und sein Acetat), Polyacetylene usw. Die Alantolactone sind Sesquiterpene vom sog. Eudesmanolid-Typ, wobei neben den oben genannten Alantolactonen in geringer Menge hydrierte Lactone gefunden wurden: Dihydroisoalantolacton, Dihydro-alantolacton und Tertrahydroalantolacton. Nichtflüchtige Sesquiterpenlactone sind für die Pflanzenordnung der Asterales charakteristisch. Der Mehrzahl dieser Stoffe liegen die 2-Ringsysteme des Guajans (bei den Guajanoliden) und des Eudesmans (bei den Eudesmanoliden, Santanoliden) zugrunde, die sich ihrerseits vom 1-Ringskelett des Germacrans herleiten. Die Sesquiterpenlactone sind für den bitteren Geschmack der jeweiligen Pflanze verantwortlich (Beispiele: Wermut, Löwenzahn, Artischocke). Das in den Wurzeln enthaltene Kohlenhydrat Inulin hat seinen Namen von der lateinischen Gattungsbezeichnung Inula erhalten.Durch die geringe Verdunstungsneigung der Inhaltsstoffe von Alantwurzel ist die "fixierende" Wirkung des Öls wie auch des Absolues sehr ausgeprägt. Man benutzt die Präparate daher dazu, die Haftfestigkeit von Parfums am Riechstreifen, im kosmetischen Mittel bzw. auf der Haut selbst zu erhöhen. Diese Eigenschaft teilt Alantwurzel mit den anderen Fixateuren von "holzigem" Charakter wie Sandelholz, Cedernholz und Vetiver. Die Einsatzmenge muß begrenzt werden, da Alant ein Sensibilisierungspotential besitzt (siehe unten).
Alantextrakte und Alantöl werden - trotz der (vor allem bei Korbblütlerallergikern) bestehenden Möglichkeit von Kontaktallergien - in der Naturkosmetik für Hautmittel bei Akne, Ekzeme und zur allgemeinen Schönheitspflege eingesetzt.
Die in Alant enthaltenen Lactone wirken als Bitterstoffe. Daher können Auszüge oder Destillate der Pflanze auch zur Aromatisierung von Getränken (i.d.R. alkoholischen, z.B. Liköre) verwendet werden. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA klasifiziert Alantwurzel als "prooved for foods".
Die Inhaltsstoffe von Alant wirken vor allem antiseptisch. Diese Wirkung wird bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege (Harnwegsinfektionen) und der Atemwege (Bronchialkatarrh, Keuch- und Reizhusten, Bronchitis) ausgenutzt. Bei der letztgenannten Verwendung spielen auch die expektorierenden (auswurffördernden) und sekretolytischen (schleimlösenden) Eigenschaften der Inhaltsstoffe eine Rolle. In der Volksmedizin wird die Heilpflanze weiterhin bei Verdauungsstörungen als magensekretionsförderndes, appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel eingesetzt, seltener auch bei Menstruationsbeschwerden und Kopfschmerzen. Bei der arzneilichen Verwendung ist ebenfalls das gelegentliche Vorkommen von Allergien zu berücksichtigen (daher besondere Vorsicht bei Personen mit bekannter Korbblütler-Allergie). Die Wirksamkeit der Wurzeln als schleimlösendes, gallenflußanregendes und wassertreibendes Naturmittel ist experimentell und klinisch nachgewiesen. Die hierfür - aber auch für die sensibilisierenden Eigenschaften - wesentlich mitverantwortlichen Inhaltsstoffe sind die oben genannten Alantolactone. Für Alantolacton konnte nachgewiesen werden, daß es sich als sog. "Halbantigen" (Hapten) an Hauteiweiße bindet und damit zu einem Vollantigen wird.
Etwa 1 g grob gepulverte Alantwurzeln werden mit der einer Tasse entsprechenden Menge kochendem Wasser übergossen und nach 10- bis 15minütigem Ziehenlassen durch ein Teesieb gegeben. Als Teeaufguß bei Bronchialkatarrh 3- bis 4mal täglich 1 Tasse, ggf. mit Honig gesüßt.
Bei innerlicher Anwendung von Alantwurzelpräparaten ist die Dosierung genau einzuhalten, da bei Überdosierung Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen auftreten können (vor allem bedingt durch schleimhautreizende Eigenschaften der Alantolactone).
Für Alantöl werden folgende aromatherapeutische Wirkungen genannt: antiseptisch, sekretolytisch, expektorierend-hustenlindernd, verdauungsfördernd, diuretisch (harntreibend), emmenagog (menstru-ationsfördernd), beruhigend, anthelminthisch (=gegen Eingeweidewürmer, insbesondere Spulwürmer wirksam), antifungistisch (=gegen Mikropilze wirksam). Die Anwendung zu Heilzwecken ist in jedem Falle mit einem Therapeuten abzusprechen, wegen der nicht auszuschließenden tonisierenden Wirkung der Sesquiterpenlactone auf die Gebärmutter ist von der Anwendung während einer Schwangerschaft unbedingt Abstand zu nehmen. Bereits im Kräuterbuch des Eucharius Rösslin (1546) wird das Destillat von "Alantwurtz" als fruchtaustreibend bzw. mit (tot)geburttreibenden Eigenschaften versehen beschrieben.
Alant ist eine der Heilpflanzen mit uralter Tradition. Sei es im alten Griechenland, in Rom oder im Europa des Mittelalters - seine Verwendung wurde vielfach empfohlen gegen Asthma und Bronchitis, gegen Lungenentzündung und Herzkrankheiten, ja sogar gegen Tuberkulose. In Deutschland stellten die Heilkundigen einen Alantwein her ("St. Pauls Arznei"), der die Pest besiegen sollte! Wenngleich derlei Übertreibungen damals an der Tagesordnung waren, ist seine Wirksamkeit gegen Erkrankungen der Atemwege heute als gesichert anzusehen. Hier sind neben der Teezubereitung und der Verarbeitung in Hustenmitteln Aufgüsse für Umschläge (oder auch Inhalationen) und Bäder gebräuchlich.
Folgende Rezeptur diene als Beispiel für die Behandlung mit Kräutermitteln in der Karolingerzeit:
EIN HEILTRANK BEI GESCHWOLLENEN MANDELN BZW. BEI GESCHWOLLENEN HALSDRÜSEN, BEI KRÄTZE UND GEGEN SCHÄDLICHE SÄFTE IM KÖRPER:
Königskerze, Beifuß, Odermennig, Kuckuckampfer, Haselwurz, Karde, 1 Drachme Alantwurzel, 14 Pfefferkörner, 3 Löffel Honig, 2 Stauf Wein. Die verriebenen Kräuter mischst du mit dem Wein und dem Honig, seihst ab und läßt einen vollen Becher vor Sonnenaufgang trinken; einen weiteren Becher verabreichst du zur dritten Stunde bei abnehmendem Monde; der Patient soll dann bis zur sechsten Stunde fasten. Diese Kräuter verreibt man auch mit Schwefel und altem Schweinefett und salbt damit die schmerzenden Stellen (Lorscher Arzneibuch Teil IV, 90, Lit. [ ]).
Alantwurzel war auch wichtiger Bestandteil eines zusammengesetzten Nardenöls [ , S. 143]
Eine Handvoll geschnittener Wurzeln werden in einem Liter guten Weißwein angesetzt und eine Wochen lang stehengelassen. Die richtige Dosierung: Ein Likörglas zur Mahlzeit, gesüßt.
Erstellt am 11.04.1999 * Letzte Änderung am 01.02.2000