Lexikon der ätherischen Öle
Costuswurzelöl
Stammpflanze: Saussurea lappa (DECNE.) C.B. CLARKE aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler, geführt in 1. Ordnung Asterales der Unterklasse Asteridae - Einteilung nach Lit. [1]).
Synonymbezeichnungen: Saussurea costus (FALC.) LIPSCHITZ; Saussurea lappa (DECNE.) C.B. CLARKE, Aplotaxis lappa DECAISNE, Theodorea costus O. KUNTZE, Aucklandia lappa DECNE., Aucklandia costus FALC.
Unterfamilie: Cichorioideae; Tribus: Cardueae; Untergattung: Frolovia (DC.) LIPSCH.; Sektion: Aucklandia (FALC.) O. HOFFMANN
| Andere Bezeichnungen für die Pflanze (meist ind. Ursprungs) | kashimirja, changala, chob-i-qut, goshtam, kastam, koost, kosht, kost, kur, kushta (sanskr.), kuth, ouplate, pachak, putchuk, sepuddy, upaleta |
| Andere Bezeichnungen für das Öl: | Kostusöl, Saussurea-lappa-Wurzelöl; lat. Saussurea-costus-aetheroleum; engl.: Oil of costus root, Costus (root) Oil; Spiral flag root Oil; Aucklandia costus root Oil; frz.: Huile essentielle de Racine de Costus; span.: aceite de raíz de costo |
Die Costuspflanze ist ein 2 bis 3 m hoch wachsendes Kraut, das im Hochgebirge des Himalaya, in Nordwestindien und in China wild wächst. Die Blüten sind bläulich-schwarz gefärbt. Ihre Wurzeln finden seit Jahrtausenden Verwendung als zeremonielles Räucherwerk, Salbölbestandteil und Heilmittel, vor allem in China und Indien. Das in der Bibel erwähnte "Cassia" soll mit den Wurzeln identisch sein. Auch die "Materia medica" des Dioskurides (1. Jhdt. n. Chr.) verzeichnete Costus neben den anderen bekannten Duftpflanzen Cardamom, Narde, Zimt und Opobalsamum [5]. Nicht zu verwechseln ist die Costuswurzel mit "Kostwurz", stammend von der botanischen Art Costus speciosus. Nach Celsus war "Kostwurz" ein Bestandteil des berühmten Gegengiftes Mithridatium, welches der Tyrann Mithridates von Pontus aufgrund seiner Angst vor einem Giftanschlag ersann [17].
CAS-Nr.: [8016-00-0] oder [8023-88-7] * FEMA-Nr.: 2336
Gewinnung, Beschreibung:
Das durch Wasserdampfdestillation aus den zerkleinerten und getrockneten Wurzeln erzeugte Öl ist eine viskose, gelbliche bis bräunliche Flüssigkeit oder Masse von salbenartiger Konsistenz, die in höherprozentigem Weingeist (Ethanol 90 oder 96%) löslich ist. Die Ausbeute beträgt üblicherweise zwischen 1 und 1,5%. Es werden auch Costusöle angeboten, die durch die Destillation von Lösemittelextrakten der Wurzeln im Vakuum hergestellt werden; ebenso sind im Rohstoffhandel Concrètes und Absolues verfügbar. Hauptproduktionsort sind die Berggebiete von Kashmir. Bisweilen werden den Wurzeln bei der Destillation Elecampane-Wurzeln (Alant) beigegeben.
Kennzahlen des ätherischen Öls (EOA No. 179):
Dichte/spec. gravity d2525: 0,995 bis 1,039
(Römpp´s Lexikon nennt 0,940 bis 1,009)
Brechungsindex/refr. index nD20: 1,5120 bis 1,5230
Optische Drehung/angular rotation [a]D20:
+10 bis +36°
Löslichkeit in Ethanol/solubility in EtOH: 2 Raumteile des Öls in 1 Raumteil Ethanol
90%.
Säurezahl/acid number: max. 42
Esterzahl: 15 bis 45
Inhaltsstoffe:
Hauptkomponenten des Öles sind (Sesquiterpen-) Lactone, wie Costunolid, Dehydrocostuslacton und andere Costuslactone. Weiterhin a- und b-Jonon, Dihydro-a-jonon, (E)-Geranylaceton, Costol, Costal, daneben auch Elemen, Elemol, Caryophyllen (und -oxid), Phellandren, a- und b-Selinen, Selinadien, trans-Bergamoten, trans-Bergamotadienal und der stark holzig riechende Aldehyd Bergamotenal.

Abb.: Chemische Struktur einiger Costus-Inhaltsstoffe
Duftcharakteristik
Der lange anhaltende Duft erinnert uns an Iris und Veilchen, besitzt Wurzel- und Edelholzcharakter und eine durchdringend-animalische, auch an "Haare" und "Schweiß" (Säuregehalt!) erinnernden Note. Holzig-erdig, schwer. Die animalische Komponente des Öls kann durch Beigabe des Riechstoffs "Costaulon" (PFW), chemisch ein 4-Ethyl-4-butyl-D-Valerolacton, unterstrichen werden [Nowak]. Das H&R-Lexikon Duftbausteine spricht von einem "pelzig-erogenen Duft mit hohem Wiedererkennungswert" [6].
engl.: persistent, violet-like, orris-like, reminiscent of unripe melons, rooty, woody-sweet, "hairy", green, fatty
Anwendung:
Costusöl hat ganz ausgeprägte fixierende Eigenschaften, vergleichbar dem Alantöl, dessen Charakter ebenfalls von den darin enthaltenen
Lactonen (z.B. Alantolacton) bestimmt wird. Sesquiterpenlactone wie Costunolid besitzen allerdings
starke allergieauslösende Eigenschaften, weshalb Parfümöle mit Costusanteil nicht in
Hautcremes und Körperlotionen eingesetzt werden sollten. Für diese Zwecke sind deshalb
Zubereitungen auf Costusbasis entwickelt worden, denen die hautsensibilisierenden
Bestandteile fehlen*, oder es wird auf synthetische Ersatzprodukte zurückgegriffen (eine
naturgetreue Nachbildung des Duftes ist jedoch bis heute nicht gelungen).
* Die Abtrennung der allergenen Lactone (Costunolide) ist durch Bindung an sog. Aminoethylstyrol-Polymere erreichbar [2].
Als Einsatzgebiete, unter Beachtung der beschriebenen Einschränkungen, eignen sich Kompositionen des Typs Veilchen, Jasmin, Narzisse, Chypre- und Phantasieparfums. Der Costusduft harmoniert gut mit Vetiver, Patchouli, Sandel und Kalmus.
Einige Autoren, allen voran D.L. OPDYKE, sowie die IFRA (Int. Fragrance Association) lehnen den Einsatz naturbelassener Costusauszüge in Parfumzubereitungen, die mit der menschlichen Haut in Berührung kommen, generell ab. Die Sensibilisierungswirkung scheint an die a-Methylen-butyrolactonstruktur der genannten Lactone gebunden zu sein.
Es verbleibt die Anwendung in der Aromalampe und als Räuchermittel, wobei dem Costusöl eine stark stimulierende Wirkung und kräftigende Eigenschaften zugeschrieben werden [8].
Von der innerlichen Anwendung als aromatherapeutisches Heilmittel, in der Publikumsliteratur bisweilen propagiert, wird wegen obengenannter Allergisierungsgefahr und der oft nicht gesicherten pharmazeutischen Qualität der im Handel anzutreffenden Ware abgeraten. Es existieren allerdings einige wissenschaftliche Studien über die pharmakologischen Wirkungen des Öls (Übersicht: Lit. [2]). Die Verwendung in Afrika als Wundheilungsmittel ist volkstümlich [5].
Sicherheitsinformationen:
Ätherische Öle sind, je nach ihrem Flammpunkt, mehr oder minder feuergefährlich. Sie
sollten daher dicht verschlossen an einem kühlen und gut gelüfteten Ort aufbewahrt
werden.
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Von Costuswurzelöl werden hautreizende und stark sensibilisierende Wirkungen (Kontaktallergien, auch Kreuzallergien zu Korbblütlern sind möglich) berichtet. |
Die Sensibilisierungspotenz von Costuswurzelöl wird als "sehr stark", die Häufigkeit mit "in vielen Fällen bei Parfüm-Allergien vorkommend" angegeben [2].
Für den offenen Umgang (Abfüllen, Verarbeiten) gilt: Augen und ungeschützte Hautstellen nicht mit dem ätherischen Öl in direkte Berührung bringen! Bei Berührung mit den Augen sofort gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
Literaturhinweise Costus(wurzel)öl
[1] FROHNE D./JENSEN U., Systematik des Pflanzenreichs 2. Aufl. 1979 (Gustav Fischer Verlag, Stuttgart * New York) - Botanische Einordnung der Asteraceae
[2] HAGERs Handbuch der Pharmazeutischen Praxis 5. Aufl. (Springer Verlag, Berlin) - Band 3, S. 351: Sensibilisierungspotential von Costuswurzelöl und Costunolid; Band 6, S. 619ff: Monographische Abhandlung der Gattung Saussurea
[3] HAUSEN B.M., Allergiepflanzen - Pflanzenallergene - Handbuch und Atlas der allergie-induzierenden Wild- und Kulturpflanzen (ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 1988)
[4] Helvetica Chimica Acta 60, 2177-2194 (1977)
[5] HENGLEIN Martin, Die heilende Kraft der Wohlgerüche und Essenzen 2. Aufl., S. 43, 55, 73, 223 (Bastei Lübbe Taschenbuch, 1991)
[6] H&R Lexikon Duftbausteine - Die natürlichen und synthetischen Komponenten für die Kreation von Parfüms, S. 60 (Verlagsgesellschaft R. Glöss & Co., Hamburg 1985, ISBN 3-87261-051-1)
[7] HUNNIUS Pharmazeutisches Wörterbuch 7. Auflage, S. 375 (Walter de Gruyter, Berlin New York 1993) - Stichwort Costunolid
[8] KRAUS Michael, Ätherische Öle für Körper, Geist und Seele - Von Angelika bis Zypresse, 9.-22. Tsd., S. 31f (Verlag Simon & Wahl, Pfalzpaint 1991) - ISBN 3-923330-16-2
[9] MAURER B./GRIEDER H., "Sesquiterpenoids from costus root oil (Saussurea lappa CLARKE)", in: Helvetica Chimica Acta 60, 2177 (1977)
[10] MILLER R.A./MILLER I., Das magische Parfum, S. 280 (Aurum Verlag, Braunschweig 1991)
[11] NOWAK G.A., Die kosmetischen Präparate, 3. Auflage 1984 - Band 2, Die kosmetischen Präparate - Rezeptur, Rohstoffe, wissenschaftliche Grundlagen, S. 134, 138 (Verlag für chem. Industrie H. Ziolkowsky KG, Augsburg) - Eintrag Costuswurzelöl
[12] NOWAK G.A., Die kosmetischen Präparate, 4. Auflage - Band 1, Die Parfümerie - Grundlagen der Kompositionstechnik, S. 59f (Verlag für chem. Industrie H. Ziolkowsky KG, Augsburg 1990) - Eintrag Costuswurzelöl
[13] OHLOFF Günther, Irdische Düfte - Himmlische Lust 1. Aufl., S. 230 (insel taschenbuch it 1777, Insel Verlag, Frankfurt a.M. und Leipzig 1996) - Beschreibung von Kostus
[14] OHLOFF G., Riechstoffe und Geruchssinn, S. 137 (Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 1990) - Bergamotenal als Inhaltsstoff im etherischen Öl der Costuswurzel
[15] OPDYKE D.L., in: Food Cosmet. Toxikol., 12, 867 (1974)
[16] POUCHER´s Perfumes, Cosmetics and Soaps, Volume 1: The Raw Materials of Perfumery, Ninth Edition, p. 101f (Chapman & Hall, London and New York 1991)
[17] RÄTSCH Christian, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen 2. Aufl., S. 804 (AT-Verlag, Aarau 1998)
[18] Riechst., Aromen, Kosmet. 27, 74 (1977)
[19] RIFM Monograph (1974), FCT, 12, 867 (Wurzel, Absolute und Concrete)
[20] RÖMPP Chemielexikon 9. Aufl. 1995, Band 2 Cm-G, S. 798 (Hrsg. Falbe/Regitz, Georg Thieme Verlag, Stuttgart) - Eintrag Costuswurzelöl
[21] ROTH L./KORMANN K., Duftpflanzen - Pflanzendüfte. Ätherische Öle und Riechstoffe. 1997, S. 216 (ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg): Eintrag Costuswurzelöl
[22] ROTH L./KORMANN K., Giftpflanzen - Pflanzengifte. Vorkommen - Wirkung - Therapie, 4. Aufl., S. 250 (ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 1994): Allergisierende Eigenschaften von Costunolid (im Rahmen des Eintrags Lorbeeröl)
[23] TGSC Essential Oils of Costus Root Oil (Saussurea lappa CLARKE)
Erstellt am 01.02.2000 * Letzte Änderung am 08.02.2000 * (C) Peter Rau, Neckarwestheim