Lorbeerblätteröl
Stammpflanze:
Laurus nobilis L. aus der Familie der Lauraceae (Lorbeergewächse, geführt in 1. Ordnung Magnoliales der Unterklasse Magnoliidae - Polycarpicae, Einteilung nach Lit. [3]).Es handelt sich bei der Lorbeerpflanze um einen recht unscheinbaren, immergrünen, 5 bis 15 m hoch wachsenden Strauch oder Baum.
CAS-Nr.: [8006-78-8]
Herkunft/Geschichtliches:
Lorbeer gedeiht im ganzen Mittelmeergebiet. Herkunftsländer von Lorbeerblättern und ätherischem Lorbeeröl sind einerseits die südosteuropäischen Staaten Albanien, Jugoslawien und Griechenland, andererseits die südeuropäischen Länder Spanien, Portugal sowie die Mittelmeeranrainer Türkei, Libanon, Israel, Marokko und Ägypten. Die Pflanze soll ursprünglich aus dem kleinasiatischen Raum stammen.
Die Pythia, das Orakel von Delphi, kaute Lorbeerblätter und atmete deren Rauch ein, um danach in Trance zu verfallen und der Verkörperung Apollons in ihr entgegenzusehen. In der frühen römischen Kultur verbrannte man als Opfergabe auf den Altären nicht etwa Myrrhe und Weihrauch, sondern die Würzkräuter Salbei, Thymian, Lorbeer und Wacholder. Auch manche Indianer verwenden Lorbeer als rituelle Räucherung; dem Rauch werden psychoaktive Wirkungen zugeschrieben. Der bei den Kelten in Mythos und Ritual bedeutsame "Kessel der Cerridwen" enthielt neben einer Maische aus Gerste, Honig, Eicheln und Stierblut auch die heiligen Pflanzen Efeu, Nieswurz und Lorbeer (RANKE-GRAVES, ex RÄTSCH). Das Mittelalter kannte den Lorbeer als Zauberkraut, welches die Fähigkeit verleiht, Verborgenes zu schauen [Rät.]. Der Lorbeerkranz als Siegessymbol ist jedermann geläufig.
Gewinnung, Beschreibung:
Das durch Wasserdampfdestillation aus den frischen, grünen Blättern und Zweiganteilen gewonnene ätherische Öl ist eine klare, blaßgelbe bis gelbe, leichtbewegliche Flüssigkeit, die in Ethanol löslich ist. Zur Herstellung von 1 kg Öl benötigt man 66 bis 83 kg Ausgangsmaterial. Das ätherische Öl der Früchte ist seltener im Handel anzutreffen; es weist aber eine ähnliche chemische Zusammensetzung auf.
Kennzahlen des ätherischen Öls (EOA No. 119):
Dichte d2525: 0,905 bis 0,929
Brechungsindex nD20: 1,4650 bis 1,4700
Optische Drehung [a]D20:
-19 bis -10°
Löslichkeit in Ethanol: 1 Raumteil des Öls in 1 Raumteil Ethanol 80%.
Säurezahl: max. 3
Verseifungszahl: 15 bis 45
Verseifungszahl nach Acetylierung: 36 bis 85
Flammpunkt: N.A. °C
Inhaltsstoffe:
| Komponente | ungefährer Gehalt |
| Eucalyptol (1,8-Cineol) | 30-40% (-70%) |
| a-Terpineol und Terpinylacetat | 10-20% |
| Linalool | 2-12% |
| Sabinen | 5-9% |
| Eugenol und Eugenylacetat, Methyleugenol | 3-10% |
| Terpinen-4-ol | 3-5% |
Weiterhin wurden nachgewiesen a- und b-Pinen, Caryophyllen, Camphen, a-Phellandren, Limonen, p-Cymen u.a. Das Öl enthält auch einige Sesquiterpenlactone (wie Costunolid, Eremanthin und Laurenobiolid), die für die allergieauslösenden Eigenschaften von Lorbeer verantwortlich gemacht werden.

Abb.: Chemische Struktur von Costunolid (nach TEUSCHER, [15])
Duftcharakteristik
Die Essenz weist einen frisch-würzigen, aromatischen, etwas medizinischen Geruch auf.
engl.: aromatic, spicy, fresh, strong but sweet, somewhat camphoraceous, medicinal
Anwendung:
Das Öl wird in weitem Umfang als Aromakomponente in der Nahrungsmittelindustrie
eingesetzt (Fleischgerichte, Suppen etc.). In der Aromaküche verwendbar für Saucen und
Marinaden, Ragouts, Gemüse- und Kartoffelgerichte, Suppen und Eintöpfe [7].
Ätherische Öle enthalten die Inhaltsstoffe aromatischer Pflanzen in sehr konzentrierter Form. Um eine unerwünschte Überdosierung zu vermeiden, ist beim Gebrauch von ätherischen Ölen für Würzzwecke folgendes Vorgehen empfehlenswert:
Das Öl sollte in einem geeigneten Träger (z.B. Speiseöl, Sahne, Alkohol) zu einer Vormischung verdünnt werden (ca. 15-20 Topfen der Essenz auf 100 ml der Trägerflüssigkeit, entsprechend einem Gehalt von etwa 1%). Zum Würzen oder Aromatisieren wird dann eine passende Menge dieser Vormischung eingesetzt (vorher kurz aufschütteln!).Die Parfümerie nutzt die nuancierenden Eigenschaften in Kompositionen der Richtung Eau de Cologne, Lavendel, Konifere usw (in minimaler Dosierung!). Vor allem als Gewürznote in maskulinen Düften (z.B. Aftershave-Parfümierungen, Sportwässer) gebraucht. In Damenparfums werden die Essenzen der Küchenkräuter (wie Rosmarin, Basilikum, Beifuß, Majoran, Estragon und eben Lorbeer) noch wesentlich zurückhaltender verwendet. Wie beim Einsatz als Aromatisierungsmittel beschrieben, ist die Verwendung einer Verdünnung (hier: in Ethanol 96%) empfehlenswert.
In der Aromalampe verdampft, wird dem Lorbeeröl eine belebende und klärende Wirksamkeit zugeschrieben. Es bewirkt dabei auch eine Reinigung der Raumluft (wichtig bei Erkältungskrankheiten).
Sicherheitsinformationen:
Ätherische Öle sind, je nach ihrem Flammpunkt, mehr oder minder feuergefährlich. Sie
sollten daher dicht verschlossen an einem kühlen und gut gelüfteten Ort aufbewahrt
werden.
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Von Lorbeerblätteröl werden hautreizende und sensibilisierende Wirkungen (Kontaktallergien, auch Kreuzallergien zu Korbblütlern sind möglich) berichtet. Wahrscheinlich liegt darin das in Deutschland geltende Verbot, es in kosmetischen Präparaten einzusetzen, begründet. Allergische Reaktionen traten jedoch vor allem nach dem Gebrauch von Stirnbändern, die mit dem Öl imprägniert waren ("Hut- und Stirnband-Dermatitis"), sowie von medizinischen Präparaten (Rheuma- und Abszeßsalben etc.) mit Lorbeerölzusatz auf [13]. |
Die Sensibilisierungspotenz von Lörberöl wird als mittelstark, die Häufigkeit mit "gelegentlich" angegeben [4].
Für den offenen Umgang (Abfüllen, Verarbeiten) gilt: Augen und ungeschützte Hautstellen nicht mit dem ätherischen Öl in direkte Berührung bringen! Bei Berührung mit den Augen sofort gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
Literaturhinweise Lorbeer(blätter)öl
[1] BALZ Rodolphe, Atherische Öle - Heilkräftige Essenzen - Die Duftgeheimnisse von über 200 ätherischen Ölen, 1. Aufl., S. 148 (Windpferd, Aitrang 1994)
[2] BAUER/GARBE/SURBURG, Common Fragrance and Flavor Materials 2nd ed., p. 160 (VCH, Weinheim 1990) - Eintrag Laurel Leaf Oil - Kenndaten
[3] FROHNE D./JENSEN U., Systematik des Pflanzenreichs 2. Aufl. 1979 (Gustav Fischer Verlag, Stuttgart * New York)
[4] HAGERs Handbuch der Pharmazeutischen Praxis 5. Aufl. (Springer Verlag, Berlin) - Band 3, S. 351: Sensibilisierungspotential von Lorbeeröl und Costunolid
[5] HUNNIUS Pharmazeutisches Wörterbuch 7. Auflage, S. 832 (Walter de Gruyter, Berlin New York 1993)
[6] KRAUS Michael, Ätherische Öle für Körper, Geist und Seele - Von Angelika bis Zypresse, 9.-22. Tsd., S. 61f (Verlag Simon & Wahl, Pfalzpaint 1991) - ISBN 3-923330-16-2
[7] KRAUS Michael, Die neue Vollwertküche mit ätherischen Ölen, 6.-12. Tsd., S. 18f (Verlag Simon & Wahl, Pfalzpaint 1991) - ISBN 3-923330-11-1
[8] OHLOFF Günther, Irdische Düfte - Himmlische Lust 1. Aufl., S. 115, 227 (insel taschenbuch it 1777, Insel Verlag, Frankfurt a.M. und Leipzig 1996)
[9] RÄTSCH Christian, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen 2. Aufl., S. 527 (AT-Verlag, Aarau 1998)
[10] RÄTSCH Christian, Lexikon der Zauberpflanzen - aus ethnologischer Sicht, S.98 (VMA-Verlag Wiesbaden, Lizenzausgabe 1992)
[11] RIFM Monograph (1976), FCT, 14, 337
[12] ROTH L./KORMANN K., Duftpflanzen - Pflanzendüfte. Ätherische Öle und Riechstoffe. 1997, S. 239 (ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg): Eintrag Lorbeerblätteröl
[13] ROTH L./DAUNDERER/KORMANN K., Giftpflanzen - Pflanzengifte. Vorkommen - Wirkung - Therapie, 4. Aufl., S. 250 (ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 1994): Eintrag Lorbeer, Allergische Reaktionen auf Lorbeeröl
[14] SCHNAUBELT Kurt, Neue Aromatherapie, 3. Aufl., S. 94 (vgs Verlagsges., Köln 1996)
[15] Teuscher Eberhard, Pharmazeutische Biologie 2. Aufl. 1979, S. 280, 295f (Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsges., Braunschweig)
[16] Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel i.d.F. vom 24.11.1988, geä. durch VO vom 22.01.1996, Anlage 1a, in: Wilson/Blanke, Apotheken- und Arzneimittelrecht 28. (124.) Erg.-Lfg. (Govi-Verlag 1996)
Erstellt am 27.01.2000 * Letzte Änderung am 08.02.2000 * (C) Peter Rau, Neckarwestheim