
Summenformel: C6H12N4 * Mr / F.W. 140,19 g/mol
Strukturformel:

Andere Bezeichnungen: 1,3,5,7-Tetraazaadamantan, Hexamin, Hexamethylenamin, Methenamin (INN), Urotropin, Formin, Formamin, Aminoform; lat.: Hexamethylentetraminum, Methenaminum; engl.: hexamethylentetramine; ital.: Esametilentetramina
| CAS-Nr.: | [100-97-0] |
| EG/EINECS-Nr.: | 202-905-8 |
| EG-Index-Nr.: | 612-101-00-2 |
| RID/ADR: | UN 2493
4.1/6c HEXAMETHYLENTETRAMIN |
| HS-Nr.: | 2933 69 20 |
Beschreibung
Bei der Substanz handelt es sich um ein weißes, kristallines Pulver oder um farblose, rhombische Kristalle, die einen mehr oder weniger ausgeprägten, aminartigen Geruch und einen anfänglich süßlichen, später aber bitteren Geschmack aufweisen. Der Stoff ist in Wasser leicht löslich, löslich in Chloroform und Ethanol, praktisch unlöslich in Diethylether. Er hat keinen festen Schmelzpunkt, sondern sublimiert im Temperaturbereich zwischen 230 und 270 °C und zersetzt sich thermisch oberhalb 290 °C. Die wäßrige Lösung bläut rotes Lackmuspapier sehr schwach, wird durch Phenolphthaleinlösung aber nicht gerötet.
Darstellung
Im Großmaßstab gewinnt man Hexamethylentetramin durch Eindampfen eines im stöchiometrischen Verhältnis angesetzten Gemisches von Formaldehyd (6 Mol) und konzentrierter Ammoniumhydroxidlösung (4 Mol Ammoniak), ggf. unter vermindertem Druck. In saurer Umgebung, z.B. beim Erwärmen mit verd. Schwefelsäure, findet eine Rückbildung von Formaldehyd und Ammoniak statt.
VERSUCH: Demonstration der Bildung von Hexamethylentetramin
| ! | Versetzt man 2 ml Formalin (Formaldehydlösung 35%) vorsichtig und im Abzug mit 2-3 ml konz. Ammoniaklösung und verdunstet diese Mischung in einer flachen Abdampfschale zur Trockne, so hinterbleibt ein kristalliner Rückstand von Hexamethylentetramin. Arbeitsschutzvorschriften beachten! |
Anwendung
Der Grundstoff wird in der chemischen und pharmazeutischen Industrie sowie in der Technik vielfältig verwendet. Er wirkt selbst nicht antiseptisch, jedoch wird in saurer Lösung langsam der antimikrobielle Formaldehyd freigesetzt. Daher wurde Hexamethylentetramin früher medizinisch als Harnwegsdesinfiziens bei entzündlichen und infektiösen Erkrankungen der Harnwege benutzt, ist aber in der heutigen Therapie weitgehend durch verträglichere und modernere Mittel ersetzt worden. Zu Zeiten Ewalds (1911, vgl. Lit.) aber von zahlreichen Autoren als das damals wirksamste Harnantiseptikum bezeichnet. Die äußerliche Anwendung in Salben wird ebenfalls beschrieben (AntihydralTM). Veterinärmedizisch wird H. gegen Geflügelcholera eingesetzt. Dagegen hat der Einsatz als Konservierungsmittel im Kosmetik1) - und Nahrungsmittelbereich (z.B. für Provolone-Käse u. als "Hexa" in Fischprodukten, für letzteres Anwendungsgebiet in Deutschland aber nicht mehr zugelassen!) sowie für technische Produkte noch gewisse Bedeutung. Sofern der Anteil an freiem Formaldehyd in einem Produkt über 0,05% liegt, besteht die Pflicht zum Aufbringen des Warnhinweises "Enthält Formaldehyd". 1) Die Bestimmungen und Beschränkungen der Kosmetikverordnung sind zu beachten! Maximal zulässige Konzentration als Konservans 0,15%.Als Reagenz in der qualitativen anorganischen Analytik (Urotropin-Verfahren der Hydrolysentrennung von Kationen, vgl. Ellmer/Weil) und für organische Synthesen, z.B. zur Einführung von Amino- und Formylgruppen sowie zur Darstellung von N-Heterocyclen. Die Substanz wird auch in MANNICH-Reaktionen verwendet. Zur Herstellung von 2-Fluorisovanillin aus Fluorphenol vgl. Lit.[ ]. Benzylamin und substituierte Benzylhalogenide lassen sich mit Hexamethylentetramin nach SOMMELET zu Benzaldehyd bzw. dem entsprechenden substituierten Aldehyd umsetzen. Als Lösungsmittel fungiert 60%iger Ethanol oder 50%ige Essigsäure:


Im Gegensatz zu den benzolischen Aldehyden arbeitet man hier zunächst in nichtwäßriger Umgebung (Chloroform) und hydrolysiert anschließend das gebildete Hexamethylentetrammoniumsalz durch eine Wasserdampfdestillation (Lit. ).
In der Technik ist H. gebräuchlich als Rohstoff für Leim- und Textilprodukte und für Brennstofftabletten (bekannt als Esbit, das mit nahezu rauchloser Flamme abbrennt). Wichtig ist auch die Verwendung als Härtemittel für Kunststoffe.
Gehaltsbestimmung
Hexamethylentetramin kann als schwache Base in wasserfreiem Medium (man löst z.B. zur Bestimmung 0,100 g der Substanz in 20 ml Chloroform) unter Zusatz von Kristallviolett als Indikator mit 0,1 N Perchlorsäure zügig bis zum Farbumschlag nach Blau titriert werden (Methode V.3.5.5 des DAB 9). Der Verbrauch von je 1ml 0,1 N Perchlorsäure entspricht 14,02 mg
C6H12N4.Chemische und physikalische Kenndaten
| pH-Wert (0,2 M in W.) | 8,4 |
| Schmelzpunkt | 263 °C (Subl.) |
Gefahren
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Gefahrenhinweise: Leicht entzündlich. Gesundheitsschädlich beim Verschlucken. Reizt die Augen, Atmungsorgane und die Haut. Sensibilisierung durch Einatmen und Hautkontakt möglich. Sicherheitsratschläge: Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. Von Zündquellen fernhalten - nicht rauchen. Bei Berührung mit den Augen sofort gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren. Bei der Arbeit geeignete Schutzhandschuhe, Schutzkleidung und Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen. |
Die Substanz ist leicht entzündlich (FLAMMABLE SOLID), gesundheitsschädlich (HARMFUL), reizend (IRRITANT) und sensibilisierend. Die Aufnahme in den Körper kann zu Blasen- und Nierenschäden führen.
Mögliche Zersetzungsprodukte bei Brand oder Erhitzung sind giftige Formaldehyd- und Ammoniakdämpfe, nitrose Gase und Cyanwasserstoff. Mit Luft ist im Gefahrfall die Bildung explosionsgefährlicher Gemische möglich.
Handhabung
Entsorgung: Laborchemikalienrückstände fest, bis zur Sonderabfallbeseitigung sicher gelagert. Bei unsachgemäßer Lagerung, Handhabung und Entsorgung kann eine Umweltgefährdung nicht ausgeschlossen werden.
Maßnahmen zur Ersten Hilfe
Nach Hautkontakt: Mit reichlich Wasser abspülen.
Nach Augenkontakt: Mit reichlich Wasser bei geöffnetem Lidspalt mindestens 10 Minuten
ausspülen, Arzt hinzuziehen.
Nach Einatmen: Frischluft, ggf. Atemspende oder Gerätebeatmung.
Nach Verschlucken: Viel Wasser trinken lassen, Erbrechen auslösen. Arzt hinzuziehen.
Nach Kleidungskontakt: Kontaminierte Kleidung entfernen.
Monographien: DAB 6 bis 10, ÖAB90, USP XXII, Ph.Helv.VII, Hager, Reag. R Ph.Eur.97 - Suppl. 99
Vorschriften/Einstufungen
Lagerklasse (VCI): 4.1 B Entzündbare feste Stoffe (EG-Methode A 10)
Wassergefährdungsklasse (D): WGK 1 (schwach wassergefährdender Stoff)
Giftklasse (CH): 5 - Stoffe und Erzeugnisse mit geringster
Gefährlichkeit
Merkblätter BG Chemie - M 004 Reizende Stoffe/Ätzende Stoffe - M 050 Umgang mit gesundheitsgefährlichen Stoffen
Literaturhinweise Hexamethylentetramin
[1] BEILSTEIN 1, 583, I 306, II 648, 26, II 200, III/IV 1680
[2] Birett K., Umgang mit Gefahrstoffen 3. Aufl. 1990 (ecomed Verlagsges. mbH, Landsberg) - Umgang mit leichtentzündlichen, gesundheitsschädlichen und sensibilisierenden Gefahrstoffen
[3] Deutsches Arzneibuch 6. Ausg. 1926 Neudruck 1951, S. 336f (Dt. Apotheker-Verlag, Stuttgart) - Monographie Hexamethylentetraminum
[4] Deutsches Arzneibuch 7. Ausgabe 1968, Kommentar von Böhme/Hartke, S. 861ff (WVG mbH Stuttgart, GOVI-Verlag Frankfurt) - Monographie + Kommentar Hexamethylentetramin
[5] Deutsches Arzneibuch 8. Ausgabe 1978, Kommentar von Böhme/Hartke, S. 515ff (WVG mbH Stuttgart, GOVI-Verlag Frankfurt) - Monographie + Kommentar Methenamin
[6] Deutsches Arzneibuch 9. Ausgabe 1986, Amtliche Ausgabe, S. 1021f (DAV, Stuttgart und Govi-Verlag, Frankfurt) - Monographie Methenamin
[7] Ellmer R./Weil H, Anleitung zur qualitativen Analyse 6. Aufl. 1973, S. 115f (Umschau Verlag, Frankfurt)
[8] Elmadfa I./Muskat E./Fritzsche D., GU Kompaß E-Nummern 4. Aufl., E 239, S. 33, 36 (Gräfe und Unzer, 1999) - Hexamethylentetramin als Lebensmittelzusatzstoff
[9] Ewald C.A./Heffter A., Arzneiverordnungslehre auf Grundlage des DAB 5. Ausgabe, 14. Aufl., S. 398f (Aug. Hirschwald, Berlin NW, 1911) - Eintrag Hexamethylentetraminum
[10] Fieser L./Fieser M., Organische Chemie 2. Aufl., S. 515, 691, 996, 1753 (Verlag Chemie, Weinheim 1979) - Synthese und Beschreibung, Adamantangerüst, Sommelet-Reaktion, Bakelit
[11] HAGER´s Handbuch der Pharmazeutischen Praxis 5. Aufl., Band 8 Stoffe E-O, S. 921f (Springer-Verlag Heidelberg New York) - Monographie Methenamin
[12] HOLLEMAN/SCHULER, Einfache Versuche auf dem Gebiete der Organischen Chemie 9. Aufl., S. 43 (Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965) - Laborherstellung von Hexamethylentetramin [13] HUNNIUS Pharmazeutisches Wörterbuch 7. Aufl. 1993, S. 909f (Walter de Gruyter, Berlin und New York) [14] Jander G./Blasius E., Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie 13. Aufl. 1989, S. 71 (S. Hirzel Verlag, Stuttgart) - Verwendung im Trennungsgang [15] Kosmetik-Verordnung (Verordnung über kosmetische Mittel) i.d.F der Bekanntmachung vom 7.10.1997, zuletzt geändert durch Art. 1 d. VO v. 18.12.1998, Anlage 6 zu § 3a, Teil A, Nr. 30 (in: Wilson-Blanke Apotheken- und Arzneimittelrecht 37. (133.) Erg.-Lfg. vom 31.03.1999) [16] LOBER F., in Ullmann, 3. Bd., S. 165 [17] MERCK Index 11, 5879 [18] Organic Syntheses, ed. by E.C. HORNING, Coll.Vol.III, p. 811 (John Wiley & Sons, New York 1955)[19] Organikum, Organisch-chemisches Grundpraktikum 15. Aufl., S. 481 (VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1977)
[19] RÖMPP Chemielexikon Hrsg. Falbe/Regitz 9. Aufl. 1995 Band 3, S. 1795f (G. Thieme Verlag,Stuttgart) - Eintrag Hexamethylentetramin
[20] ULLMANN (5.) 2, 17 Unsere hiermit gegebenen Informationen sind mit Sorgfalt erarbeitet und nach bestem Wissen für Sie zusammengestellt worden. Eine Gewähr für deren Richtigkeit kann jedoch nicht gegeben werden, Irrtum und Änderungen bleiben vorbehalten. Die Anwendung, Verwendung und Verarbeitung der bezogenen Produkte liegen ausschließlich im Verantwortungsbereich des Abnehmers. Unsere anwendungstechnische Beratung (sei es in Wort oder Schrift) befreit Sie nicht von der eigenen Prüfung der bezogenen Waren auf ihre Eignung für die beabsichtigten Einsatzzwecke und Verfahren. Der Abnehmer muß sich daher vor der Anwendung über die sichere und korrekte Handhabung und Dosierung der Stoffe unterrichten, ebenso über eventuell bestehende gesetzliche Vorgaben. Die ggf. vorgestellten Versuchsbeschreibungen sind zur wissenschaftlichen Information gedacht und dürfen nur von erfahrenen Experimentatoren in vollkommen eigener Verantwortung durchgeführt werden. Für Schäden, die beim Umgang mit den Produkten entstehen, übernehmen wir keine Haftung. [Index] * [Homepage] * [Preisliste H] Erstellt am 07.07.1999 * Letzte Änderung des Dokuments am 12.07.2000